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Natur & Umwelt
10.01.2026
09.01.2026 11:25 Uhr

Eisvogel ist Vogel des Jahres 2026

Männchen (links) und Weibchen (rechts) bei der Balz.
Männchen (links) und Weibchen (rechts) bei der Balz. Bild: Markus Nobel
Die Bevölkerung hat den Eisvogel zum Vogel des Jahres 2026 gewählt. Er setzte sich knapp gegen die Wasseramsel durch und steht stellvertretend für naturnahe Fliessgewässer in der Schweiz.

Der Eisvogel lebt das ganze Jahr über an langsam fliessenden oder stehenden Gewässern, darunter Bäche, Flüsse, Altarme, Auenlandschaften und Seen. Entscheidend für sein Vorkommen sind klares Wasser, ein reichhaltiges Angebot an Kleinfischen und ausreichend Sitzwarten wie Äste, Schilfhalme oder Steine.

Zur Brutzeit benötigt der Eisvogel ungestörte, vegetationsfreie Steilwände aus lehmiger Erde oder festem Sand, in die er seine Bruthöhlen gräbt. Solche natürlichen Uferabbrüche entstehen normalerweise durch Hochwasser und natürliche Gewässerdynamik, sind aber heute selten, weil viele Schweizer Flüsse verbaut, kanalisiert oder eingedolt wurden.

Meisterjäger unter Wasser

Der Eisvogel ernährt sich überwiegend von kleinen Fischen, die er bei seinen Tauchgängen fängt. Zum Jagen setzt er sich auf eine Sitzwarte am Wasser und stürzt sich blitzschnell kopfüber ins Wasser, um die Beute mit dem langen Schnabel zu ergreifen. Die maximale Tauchtiefe beträgt etwa einen Meter. Er frisst pro Tag bis zu 35 % seines Körpergewichts, meist Fische von vier bis sieben Zentimetern Länge.

Selten und gefährdet

Der Eisvogel ist in der Schweiz selten und gilt als gefährdet. Aktuell gibt es rund 400 bis 500 Brutpaare, ein Bestand, der in den letzten Jahren leicht zugenommen hat, vermutlich aufgrund milderer Winter. Strenge Winter können die Population jedoch stark reduzieren, wenn Gewässer zufrieren und der Zugang zu Fischen verhindert wird.

Hauptproblem ist der Mangel an geeigneten Lebensräumen. Fast alle grossen Fliessgewässer und viele kleine wurden kanalisiert oder verbaut. Natürliche Prozesse wie Hochwasser, die Prallhänge abtragen, Kiesbänke freilegen oder Altläufe entstehen lassen, sind für die Reproduktion des Eisvogels und für die Lebensgemeinschaften im Wasser entscheidend.

Schutz und Renaturierung

Um den Eisvogel zu unterstützen, werden in der Schweiz künstliche Brutwände errichtet oder bestehende Steilwände freigestellt. Fachliche Begleitung bei Flussrevitalisierungen und Renaturierungen trägt dazu bei, dass Gewässer Stück für Stück mehr Platz und Dynamik erhalten. Solche Massnahmen verbessern nicht nur die Lebensbedingungen für den Eisvogel, sondern auch für Fische, Amphibien, Libellen und andere wassergebundene Arten.

BirdLife Schweiz hat im Rahmen seiner Projekte die Bevölkerung dazu aufgerufen, den Vogel des Jahres zu wählen. Über 18'000 Stimmen wurden abgegeben, wobei der Eisvogel mit einem knappen Vorsprung von 53 Stimmen vor der Wasseramsel gewann.

Zürioberland24/gg
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