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Grüningen
29.09.2022
10.10.2022 03:12 Uhr

Was, wenn der Strom knapp wird?

Die Photovoltaikanlagen stehen bereit, doch für den Einbau fehlen Andi Heiniger von der Kunz AG noch entsprechende Teile. Bild: Martina Gradmann
Der Bundesrat hat erste Gas- und Stromspar-Appelle lanciert. Neben der Bevölkerung machen sich auch Unternehmen Gedanken, was eine Stromknappheit für sie bedeuten würde. In Grüningen wurde für den kommenden Winter teilweise schon vorgesorgt.

Was bei der Firma Kunz AG bis vor drei Jahren nur eine Nische war, hat sich jetzt zum grossen Geschäftsfeld entwickelt. Photovoltaikanlagen boomen. Der Geschäftsführer Andi Heiniger kommt mit dem Einbau aber nicht mehr nach, weil ihm durch Lieferengpässe entscheidende Teile fehlen.

«Eigentlich braucht es jetzt auf jedem Dach eine Solaranlage, egal ob Giebel- oder Flachdach. Es ist höchste Zeit, dass dies gesetzlich verankert wird», sagt Heiniger. «In der Schweiz hat man immer von Versorgungssicherheit gesprochen. Sollte es jetzt tatsächlich zu einer Mangellage kommen, wäre das ein Versagen unserer Behörden», findet Andi Heiniger. Er weiss aber auch, dass sich viele auf eine solches Szenario vorbereiten.

Notstromaggregate nötig

Weil eine Photovoltaikanlage bei einem Stromunterbruch abstellt, muss er momentan viele Unternehmen mit zusätzlichen Notstromaggregaten ausrüsten. Noch nie musste er so viele Offerten für Photovoltaikanlagen wie in diesem Jahr erstellen, und Unternehmen und Private lassen sich zusätzlich Notstromaggregate einbauen. Das Problem: Momentan ist vieles gar nicht lieferbar und Interessierte müssen auf den kommenden Frühling vertröstet werden. «Die Nachfrage ist riesig, auch nach Benzin- und Dieselgeneratoren, doch die sind zurzeit nicht lieferbar.»

Zu den Solaranlagen werden auch Speicherkapazitäten eingebaut. Bild: zvg

Auch Gewerbe rüstet auf Für grosse Unternehmen wie das Pflege- und Betreuungszentrum Sonnhalde hat Heiniger eine Analyse zum Energieverbrauch durchgeführt. Auch Unternehmen wie RohrMax oder Innique machen sich über eine allfällige Stromknappheit Gedanken. Ob es wirklich dazu kommt, kann auch Heiniger nicht sagen. Er ist aber überzeugt: Wenn jeder Einzelne seinen Energieverbrauch einschränkt, kann schon viel erreicht werden. Wärmepumpen und Boiler verbrauchen in einem normalen Haushalt am meisten Strom.

Reduziert man also die Raumtemperatur und schränkt den Warmwasserverbrauch ein, kann man auch die Kosten senken.

Sensibilisierung stärken

Unternehmen wie Velosport Putzi oder der Landgasthof Adler sind schon heute auf den Stromverbrauch sensibilisiert. «Unser Geschäft ist mit LED-Lampen und Bewegungsmeldern ausgestattet. Wir stellen zudem alle unsere Maschinen bei Nichtgebrauch ab», sagt Roger Putzi. Schliesslich wolle er nicht für etwas zahlen, das er gar nicht brauche. Auch Nicole Seinet vom «Adler» sensibilisiert ihre Mitarbeitenden darauf, alles abzuschalten, was nicht nötig ist, und überlegt sich auch, allenfalls die Räume weniger zu beheizen. «Das haben wir eigentlich schon immer gemacht, werden das jetzt aber wahrscheinlich forcieren.»

Warme Jacken für alle

Weiter geht die Firma Maurer Magnetic AG, die ihren Mitarbeitenden schriftlich Energiesparmassnahmen verordnet hat. Neben Sparmassnahmen bei der Produktion sollen unter anderem die Elektroboiler inkl. Begleitheizung im Technologie-Gebäude und in der Werkstatt abgestellt werden.

Druckluft wird nur eingestellt, wenn es nötig ist, die Raumtemperatur wird gesenkt und die Lüftung im reduzierten Betrieb gehalten. Weitere Massnahmen sind Lichterlöschen, Stosslüften und Justierung der Lampen. «Aufgrund der Temperatur-Senkungs-Massnahmen werden wir allen Mitarbeitenden eine warme Jacke oder ein Gilet zur Verfügung stellen», sagt Christa Maurer. Das sei zwar eine Investition, doch solle niemand im Winter frieren müssen.

Maurer Magnetic AG will mit diesen einfachen Massnahmen 10 bis 15% Energie einsparen, was ein solidarischer Beitrag an die Gesamtversorgung der Bevölkerung und die Wirtschaft bedeute.

Wie ist deine Meinung zum Thema?

Ist es ernst oder alles nur Panikmache? Wie bereitest du dich auf den kommenden Winter vor? Wir freuen uns über deine Meinung an grueningerpost@zuerioberland24.ch

Strom wird in Grüningen 29% teurer

Die Energiekosten haben in den letzten Monaten einen historisch starken Anstieg erlebt. Ebenfalls haben sich die Netzkosten weiter erhöht. Aufgrund dieser Ausgangslage muss die Energie Grüningen AG die Stromtarife ab dem kommenden Jahr anheben, wie sie in ihrer Mitteilung schreibt. Über sämtliche Kunden gesehen verteuert sich der Strompreis über alle Kunden der Grundversorgung um rund 29 Prozent im nächsten Jahr. Das üblich verwendete Beispiel eines durchschnittlichen 4-Personen-Haushalts in einem Einfamilienhaus mit einem jährlichen Energieverbrauch von rund 4500 Kilowattstunden zahle damit ca. 28 Franken pro Monat mehr.

www.energie-grueningen.ch

Martina Gradmann