Home Region Sport Magazin In-/Ausland Agenda
Kulinarik
18.06.2021
20.06.2021 16:44 Uhr

Degustieren: Spass oder harte Arbeit?

Immer der Nase nach: Tipps zum Wein degustieren. Bild: pixabay.com
Beim Wein degustieren geht's um Aussehen, Nase und das persönliche Empfinden. Suzan Honegger von der Wy-Galerie gibt Tipps, worauf man beim Degustieren achten soll und wie man zum Degu-Profi wird.

Gemäss Lehrbuch geht es beim Degustieren darum, die Qualität eines Weins einzuschätzen. Dies umfasst die Ausgewogenheit, die Intensität, die Komplexität und die Ausdruckskraft eines Weines. Für Weinkritiker, Weinhändler und Sommeliers, die professionell Wein degustieren, ist das eine intensive und herausfordernde Arbeit. Als Weingeniesser*in kann man sich das etwas einfacher machen. Wenn mich meine Kunden nach Degu-Tipps fragen oder wissen wollen, worauf sie bei diesem oder jenem Wein achten sollen, dann habe ich folgende einfache Tipps und Tricks parat:

Die Farbe sagt viel über den Wein

Die Farbe und die Farbintensität eines Weins hängen stark von der Traubensorte, der Anbauregion, vom Alter und von der Art ab, wie er verarbeitet wurde. Grundsätzlich ist das Aussehen also eine persönliche Präferenz, ob jemand z.B. eher dichte, purpurne Weine bevorzugt oder eher granatrote Weine mit weniger Dichte. Ist ein Wein jedoch trüb oder matt, dann könnte es sich um einen Weinfehler handeln.

Geruch: Hier spricht man von den «Vier Nasen»

  1. Nase) Für den ersten Eindruck, die Fruchtigkeit und Aromatik riechen Sie am Wein, ohne vorher das Glas zu schwenken.
  2. Nase) Schwenken Sie das Glas, um so viele Aroma-Moleküle wie möglich freizusetzen. Der Wein öffnet sich, die Aromen werden intensiver.
  3. Nase) Der erste kleine Schluck. Durch die Erwärmung des Weins im Gaumen werden die Aromen noch intensiver, sie gelangen über die Verbindung des Nasen-
    Rachenraums mit der Nasenmuschel zur Riechschleimhaut. Ist akustisch etwas uncharmant, aber so erkennt man versteckte Weinfehler.
  4. Nase) Beim letzten Riechen am leeren Glas, wo vorhin noch Wein drin war, kann man nochmals völlig neue Aromen wahrnehmen.

Nebenbei bemerkt, sollte es in der Umgebung wo degustiert wird, möglichst keine Fremdgerüche haben (Parfüm, Putzmittel, Rauch oder Essen), sonst können die Eindrücke vom Wein verfälscht werden. Das gilt übrigens auch für unseren Gaumen, welcher von Kaugummi, Zahnpasta, Essen oder Tabak beeinflusst werden kann.

Der subjektive Sinn

Der Geschmack ist eigentlich ein subjektiver Sinn. Dennoch werden Komponenten wie Süsse, Säure, Tannine meist von allen Weinliebhaber*innen ähnlich
wahrgenommen. Um die grösstmögliche Erkenntnis zu gewinnen, sollte der Wein im Mund bewegt werden, damit er an allen Stellen der Zunge wirken kann. Die Geschmackspapillen empfinden Süsse, Säure, Salz (zwar selten beim Wein) und Bitterkeit (Tannin). Ebenso empfinden wir im Gaumen auch den Körper, das «Mundgefühl», sowie die Länge des Weins, auch Abgang genannt.

Ausspucken oder nicht?

Schlussendlich kommt noch die mir oft gestellte Frage: Ausspucken oder nicht? Das hängt ganz von ihrem persönlichen Degustations-Plan ab. Spuckt man den Wein aus, kann man einige Weine mehr «richtig» degustieren – bis zu 12. Ansonsten ist nach vier bis fünf Weinen Schluss mit der Konzentration.

Unser Leitspruch in der Wy-Galerie lautet jedenfalls «probierä gaht über studierä». Denn nur die eigene Nase und der eigene Gaumen entscheiden, ob man einen Wein mag oder nicht. Werden auch Sie ein Degu-Profi. Probieren Sie meine Tipps aus, denn Übung macht den Meister. Prost!

*Suzan Honegger ist Weinliebhaberin und führt seit 2010 gemeinsam mit Andrea Hofer die Wy-Galerie Grüningen.

Wy-Galerie Grüningen

Kirchgass 2
8627 Grüningen
Webshop: www.wy-galerie-grueningen.ch
info@wy-galerie-grueningen.ch

Öffnungszeiten Januar – September: Freitag 14:00-18:30 Uhr / Samstag 10:00-16:00 Uhr
Öffnungszeiten Oktober – Dezember: Donnerstag und Freitag 14:00-18:30 Uhr / Samstag 10:00-16:00 Uhr

Suzan Honegger, Wy-Galerie Grüningen