Neuer Anlauf fürs Zentrum Bandwies
An der Gemeindeversammlung vom 7. September 2026 stimmen die Rütnerinnen und Rütner über die Gestaltungspläne, die städtebaulichen Verträge und den angepassten Baurechtsvertrag ab (siehe Info-Box).
Das Projekt steht nicht zum ersten Mal auf der Traktandenliste. Vor bald zehn Jahren nahm man das Bandwies ins Visier, um das lokal und regional bedeutsame Zentrum von Rüti zu modernisieren, 2019 wurde es den Stimmberechtigten vorgelegt.
Die Ziele, einen Ort zum Einkaufen, Arbeiten und Wohnen zu schaffen, sind aber heute die gleichen wie im Jahr 2017, als für das Projekt ein Architekturwettbewerb lanciert wurde.
Abfuhr im ersten Anlauf
Rückblende: Als der Gestaltungsplan Bandwies Süd, der Baurechtsvertrag und der Vertrag über den Mehrwertausgleich 2019 an die Gemeindeversammlung kamen, stimmte man den Anträgen zwar zu, beschloss aber, die Vorlage der gesamten Stimmbevölkerung an der Urne vorzulegen. Am 9. Februar 2020 erteilten die Rütner Stimmberechtigten dem Vorhaben eine Absage – die Vorlage wurde abgelehnt.
Umfrage brachte Klarheit
Nach der Niederlage an der Urne beauftragte die Gemeinde niemand Geringeres als das renommierte Marktforschungsinstitut gfs.bern, um zu untersuchen, warum die Vorlage gescheitert war.
Diese Nachanalyse ist für das heutige, überarbeitete Konzept zentral, denn die Befragung ergab insbesondere, dass die Rütner Bevölkerung mit dem ersten Vorschlag zusätzliche Verkehrsprobleme befürchtete. Der Bevölkerung war vor allem die fehlende Abstimmung mit dem Migros-Parkhaus im Bandwies Nord ein Dorn im Auge. Auch hatten die Rütnerinnen und Rütner Zweifel daran, dass die Bandwiesstrasse mit den Plänen tatsächlich verkehrsarm wird. 67% der Befragten verlangten zudem, dass eine verkehrsarme Begegnungszone, u.a. mit Tempo 20, sichergestellt wird. Auch wünschten sie sich einen verbesserten und grösseren Zentrumsplatz.
Trotz Kritik ist bei der Befragung aber auch herausgekommen, dass rund zwei Drittel hinter einer Verdichtung im Zentrum stehen und eine Mehrheit einen neuen Vorschlag wünscht.
Gemeinsam statt getrennt
Mit dem Wissen aus der Befragung gingen die Gemeinde Rüti, die Migros Genossenschaft Ostschweiz und die UBS Anlagestiftung einen Schritt aufeinander zu und erarbeiteten ein angepasstes Konzept. Ziel war es nun, das Zentrum gesamthaft zu entwickeln und Nord/Süd nicht mehr isoliert zu betrachten.
«Wir haben uns intensiv mit der Frage beschäftigt, wie eine sinnvolle Erschliessung aussieht und wie wir gemeinsam die bestmögliche Lösung ermitteln können», sagte Gemeinderat und Ressortvorsteher Bau Peter Weidinger gegenüber den Medienvertretenden. «Heute stehen wir hier und können voller Überzeugung sagen: Es ist eine gute Sache für Rüti und für die Region.» Und er fügt an: «Es bringt der Gemeinde auch attraktive Einnahmen.» Dies habe zwar nicht im Vordergrund gestanden, betont Weidinger, es sei aber ein positiver Aspekt.
Mitwirkungsprozess im Sommer 2025
Vom 4. April bis 2. Juni 2025 lagen die Gestaltungspläne Bandwies Süd und Nord sowie die Projekte Bandwiesstrasse und Alpenstrasse öffentlich auf. Dazu fand eine Informationsveranstaltung für die Bevölkerung statt.
Gemäss Sven Hegi, Leiter Abteilung Bau bei der Gemeinde Rüti, gingen für ein Projekt in der Grösse vergleichsweise wenig Rückmeldungen ein. Von den rund 60 Rückmeldungen seien 23 ganz oder teilweise berücksichtigt worden. Die Pläne seien ausserdem zweimal vom Kanton vorgeprüft worden. Einbezogen worden sei auch die kantonale Natur- und Heimatschutzorganisation, welche mit dem vorliegenden Projekt nun «happy» sei, wie es Weidinger formulierte.
Neu: Durchgängige Tiefgarage 24/7
Zwei zentrale Anliegen, die Verkehrsführung und der Wunsch nach einer besseren Aufenthaltsqualität und Begegnungszone, wurden im überarbeiteten Konzept nach dem Prinzip der kurzen Wege berücksichtigt, welches die Bandwiesstrasse entlastet: Die Tiefgaragen von Bandwies Nord und Bandwies Süd sind neu miteinander verbunden und verfügen ausserdem über Ein- und Ausfahrten sowohl bei der Bandwies-/Dorfstrasse als auch bei der Breitenhof-/Bandwiesstrasse. «Der Verkehr wird damit früh unterirdisch gelenkt. Damit wird die Begegnungszone an der Bandwiesstrasse deutlich entlastet», erklärt Weidinger. Damit werde eine einfache Erreichbarkeit für alle geschaffen und gleichzeitig dem Wunsch nach einer besseren Aufenthaltsqualität Rechnung getragen. Ausserdem sei die durchgehende Tiefgarage ganzjährig 24/7 geöffnet.
Auch Anlieferung unterirdisch
Oscar Langenegger, Leiter Direktion Immobilien bei der Genossenschaft Migros Ostschweiz, ergänzte, dass auch die Zu- und Wegfahrt für die Lastwagen unterirdisch geführt werden, was die Verkehrssituation insgesamt entschärfe.
Mehr Freiraum
Der Quartierplatz zwischen Bandwies Nord und Bandwies Süd wird im neuen Konzept mehr als verdoppelt von bislang 350 m2 auf über 870 m2 und soll zum Herzstück des Zentrums werden mit Sitzgelegenheiten, Begrünung, Wasserspiel und Brunnen sowie gastronomischen Angeboten.
Auch im Bandwies Nord wird gegenüber dem ersten Projekt aus dem Jahr 2019 deutlich mehr Freifläche geschaffen mit halböffentlichen Bereichen. Die Grünziffer werde von 15 auf 30% erhöht. «Damit schaffen wir eine neue Aufenthaltsqualität und einen Begegnungsbereich, was die Migros klar unterstützt und mitzieht», so Langenegger. Es seien auch grössere Bäume möglich, da genug Aufbau vorhanden sei.
Bandwies Nord: Migros künftig einstöckig
Im Erdgeschoss des Bandwies Nord ist wie zuvor ein Migros-Supermarkt mit Migros-Restaurant sowie Partnern wie k kiosk geplant. Eine wesentliche Neuerung ist, dass die Migros-Filiale künftig einstöckig gestaltet wird im Parterre – ohne umständliches Laufband ins Untergeschoss.
Die Verkaufsfläche wird sich von 4200 m2 auf 3800 m2 leicht reduzieren. Wobei die Migros-Genossenschaft hierzu betont, dass bei der heutigen Fläche noch Platz für eine M-Electronics-Filiale einberechnet worden war. Ausserdem würden sich durch die eingeschossige Fläche Synergien in der Ladengestaltung ergeben, was die etwas kleinere Fläche wettmache und das Angebot nicht schmälere.
80 Mietwohnungen im Bandwies Nord
In den Obergeschossen vom Bandwies Nord plant die Genossenschaft Migros Ostschweiz auf vier Etagen verteilt rund 80 Mietwohnungen in den üblichen Grössen von 2- bis 4 1/2-Zimmern. Langenegger betont, dass man zahlbare Wohnungen mit zeitgemässem Ausbaustandard baue für die Mittelschicht – und dies zu marktüblichen Preisen. Diese sollen sowohl Familien als auch ältere Menschen ansprechen.
Bandwies Süd: Gewerbe und Wohnen
Das Areal vom Bandwies Süd gehört der Gemeinde Rüti. Diese plant, das Land über 99 Jahre im Baurecht an den UBS Anlagefonds abzugeben. Der Baurechtsvertrag wurde von der Rütner Bevölkerung bereits angenommen. Die neue Fassung wurde aufgrund der Verzögerungen lediglich an die neuen Kennzahlen angepasst.
Der Landwert liegt gemäss Berechnungen bei gut 16 Mio. Franken, was der Gemeinde bei einer Verzinsung von 2,5% einen jährlichen Mindest-Baurechtszins von gut 400'000 Franken einbringt. Der Baurechtszins ist an die Mietzinseinnahmen gekoppelt und wird alle fünf Jahre geprüft bzw. angepasst. Die Geschäfts-Rechnungsprüfungs-Kommission (RGPK) habe den Vertrag geprüft und habe keine Einwände.
UBS: «Keine exotischen Investitionen»
Im Bandwies Süd ist eine Mischnutzung geplant mit Geschäften, Büroräumlichkeiten und ca. 120 Mietwohnungen in den Obergeschossen, wie Reto Kunz, Projektleiter UBS Fund Management, an der Medieninformation ausführt. Auch Kunz versichert, dass man Wohnungen zu marktüblichen Preisen plane. Ausserdem betont er, dass der UBS Anlagefonds eine eigenständige Rechtsgesellschaft sei und Gelder von Vorsorgeeinrichtungen wie Pensionskassen verwalte und damit keine exotischen Investitionen tätige. Man wolle Immobilien langfristig halten.
Geplant sind auch beim Bandwies Süd öffentliche Aufenthalts-, Spiel und Grünflächen zur Belebung des Zentrums. Auf einen Mindest-Gewerbeanteil entlang der Alpenstrasse werde verzichtet. Im überarbeiteten Konzept sei die Grünflächenziffer ebenfalls von 15 auf 30% erhöht worden, so Kunz. Im Rahmen des Gesamtkonzepts seien auch hier halböffentliche Bereiche geplant.
Die Gebäudehöhen seien leicht reduziert und mit dem Gestaltungsplan vom Bandwies Nord vereinheitlicht worden, um die geforderte Sichtlinie zwischen Krematorium und Klosterbezirk zu gewährleisten.
Mehrwertausgleiche zugunsten der Gemeinde
Durch die neuen Gestaltungen ergeben sich sog. Mehrwertausgleiche zugunsten der Gemeinde, welche direkt in das Projekt einfliessen. Beim Bandwies Nord ergeben sich durch planerische Vorteile ein Mehrwert von 1,43 Mio. Franken zugunsten der Gemeinde. Diese werden durch zusätzliche Bäume, Aussenräume, verkehrliche Erschliessungen sowie durch die Bereitstellung von Infrastruktur abgegolten.
Auch beim Bandwies Süd ergeben sich entsprechende Mehrwerte, welche mit gut 1 Mio. Franken ausgeglichen werden – ebenso durch Aufwertungen des Freiraums, Bereitstellung von Infrastruktur und verkehrliche Erschliessungen.
«Go» oder zurück auf Feld 1
Die Gemeindeversammlung am 7. September ist der nächste zentrale Meilenstein für das Grossprojekt mitten im Herzen der Gemeinde. Die Rütner Bevölkerung hat es in der Hand, ob es am 7. September ein «Go» gibt oder ob sie Gemeinde, Migros und UBS zurück auf Feld 1 schickt und die Situation im Zentrum über weitere Jahre unbefriedigend ist.
Gemeinde, Migros und UBS jedenfalls scheinen ihre Hausaufgaben gemacht zu haben und präsentieren nun ein Projekt, das den Wünschen und Bedürfnissen der Rütner Bevölkerung Rechnung trägt.
Fertigstellung frühestens 2030
Im besten Fall würde es nach einem Ja noch mindestens ein Jahr bis zur Baueingabe und Bewilligungsphase dauern, frühestens in zwei Jahren könnte mit dem Bau begonnen werden, der gemäss Gemeinde gestaffelt erfolgt und zwei bis drei Jahre dauert.
Info-Anlass am 18. August
Im Vorfeld zur Gemeindeversammlung lädt die Gemeinde zur Informationsveranstaltung für Interessierte. Vertreter von Gemeinde, Migros-Genossenschaft und der UBS Anlagestiftung sind vor Ort. Der Anlass findet am 18. August von 19 bis 21 Uhr im Amtshaus Rüti statt.
Mehr Infos: www.bandwies-rueti.ch
Gemeindeversammlung vom 7. September 2026
Darüber wird abgestimmt:
Projekt Bandwies Nord
- Genehmigung privater Gestaltungsplan der Genossenschaft Migros Ostschweiz
- Genehmigung des Vertrags für den Ausgleich des Mehrwerts für den privaten Gestaltungsplan
Projekt Bandwies Süd
- Festsetzung öffentlicher Gestaltungsplan
- Genehmigung des Vertrags für den Ausgleich des Mehrwerts für den öffentlichen Gestaltungsplan
- Genehmigung des Baurechtsvertrags mit der UBS Anlagestiftung