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Grüningen
29.09.2022

«Was will man machen ohne Musik?»

Diese Grüninger Jugendlichen wünschen sich klassengetrennte Räume und ein Raum abseits vom Dorfzentrum. Bild: Svenja Beerli
Unsere neue Schülerreporterin Svenja Beerli hat sich bei den Jugendlichen der Oberstufe Grüningen umgehört, was sie über die Freiräume für Jugendliche denken. Klar wird: Ihnen fehlt es an passenden Räumen – drinnen und draussen.

Als ich fragte, wie sie das Jugi finden, bekam ich Antworten wie «cool» oder wie Soraya meinte: «Also ich finde es okay, aber nicht jeder kann seinen  eigenen Sound hören und die Stimmung ist nicht immer gut.» Wie es scheint, halten sich die Schülerinnen und Schüler weder viel noch gerne dort auf.

So sagte Mona beispielsweise: «Ich bin nicht so oft im Jugi, weil ich es halt nicht so cool finde. Es hat zu wenig Sachen, die man machen kann.» Auf die Frage, was man denn besser machen könnte, sind sich Mona und Soraya einig: «Es ist viel zu klein. Es braucht mehr Räume!» Stella ist der gleichen Meinung: «Es hat zu wenig Räumlichkeiten und die Gestaltung vom Jugi ist auch nicht sehr schön.»

Regeln, aber keine Aufsicht

Mateu findet, es gebe im Jugi wenig Sinnvolles, mit dem man sich beschäftigen könne. Es sollte vielleicht mehr Spiele haben – und mehr Räumlichkeiten geben. Auch sind sich die Mädchen einig, dass das Jugi mehr Abendaktivitäten zur Verfügung stellen sollte, wie zum Beispiel einmal im Monat den Tennisplatz mieten, um gemeinsam zu spielen.

In einem Punkt ist sich die 3. Sek einig: Es sollte klassengetrennte Räume  geben. Oder in einem gewissen Zeitraum sollte nur ein Jahrgang hineindürfen. Laut Mona sollte es auch eine Lokalität geben, die nicht wirklich unter Aufsicht steht, für den aber Regeln gelten.

«Es sollte ein abgelegenes Häuschen geben, wo wir auch mal bis Mitternacht laut Musik hören können.»
Schülerin aus Grüningen

Raum abseits des Dorfzentrums

Im Sommer würden sie gerne auf dem Schulhausplatz «hängen», sagt Stella, aber es gebe immer einen Nachbarn, der wegen der lauten Musik reklamiere. Für Tamara ist Musik aber ein Muss: «Was will man machen ohne Musik?» Sie möchten länger als bis 22 Uhr draussen sein und nicht um eine gewisse Zeit die Musik abschalten müssen wegen der Nachtruhe. «Es sollte ein abgelegenes Häuschen geben, wo wir auch mal bis  Mitternacht laut Musik hören können.»

«Jugendliche suchen sich ihre Räume selbst»

Auf den Artikel zu den Freiräumen für Jugendliche in Grüningen in der letzten «Grüninger Post» hat auch die Mojuga Stiftung reagiert, die sich ebenfalls dafür stark macht, auf die Bedürfnisse der Jugendlichen einzugehen. Marco Bezjak, Stifungspräsident der Mojuga, und Gabrielle  Zurbuchen, regionale Jugendbeauftragte in Grüningen, wissen, dass es betreffend Freiräume für Jugendliche in Grüningen noch  Verbesserungspotential hat. «Jugendliche kann man nicht ‹versorgen›. Sie suchen sich ihre Räume selbst und diese eben auch im öffentlichen Raum», so Bezjak. Dies gelte es bei der Raumplanung zu berücksichtigen, wofür sich auch die Mojuga einsetze. Ein einziger grosser Partyraum sei heute nicht mehr zeitgemäss, die Jugendlichen wünschten sich kleinere Räume. Deshalb setze man sich jetzt in Grüningen auch für zusätzliche Jugendräume ein.

Offenheit, Freiwilligkeit und Beteiligung

«Wir von der Mojuga nehmen diese Bedürfnisse ernst und pflegen die Beziehung zu den Jugendlichen intensiv, trotz geringen Ressourcen. Es ist aber nicht unsere Aufgabe, für Ruhe und Ordnung zu sorgen», sagt Bezjak. Die Mojuga sei zudem nicht in Beziehungen mit Eltern, Gemeinde oder Schule verstrickt, sondern neutral. «Wir stehen für Offenheit und Freiwilligkeit. Bei uns sind alle willkommen und jeder kann kommen und gehen, wann er will. Wir bieten kein Konsumangebot, sondern Beteiligung an.»

Heute finde die Freizeit der Jugendlichen oft ausserhalb der Vereine und eigenständig statt, ergänzt Zurbuchen. «Wir wollen den Jugendlichen keine Vorgaben machen, sie sollen ihre Räume selbst gestalten können. Und ich finde es toll, dass Grüninger Jugendliche jetzt ihre Bedürfnisse auch der Gemeinde gemeldet haben, und hoffe, dass etwas daraus entsteht. In dieser Eigenständigkeit wollen wir sie unterstützen.»

Svenja Beerli, Martina Gradmann