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Grüningen
07.09.2022
09.09.2022 15:30 Uhr

«Ich betreibe keine Massentierhaltung»

Viele Interessierte wollten den Heggenhof mit eigenen Augen begutachten. Bild: Erwin Kündig / Heggenhof
Anfang September lud der Heggenhof in Grüningen zum Tag der offenen Stalltüren. Betreiber Erwin Kündig wollte einem interessierten Publikum zeigen, was ein Ja zur Massentierhaltungsinitiative für ihn bedeuten würde.

Erwin Kündig hält auf seinem Heggenhof in Grüningen 18'000 Hühner, Kühe, Schweine und Rinder und hatte in der Region auch mit seiner Hanfproduktion von sich reden gemacht. Jetzt hat er seine Stalltüren geöffnet, um einem interessierten Publikum zu zeigen, was ein Ja zur Massentierhaltungsinitiative für ihn bedeuten würde.

Es sei ein positiver Anlass gewesen, viele wollten sich informieren, andere wussten nicht genau um was es ging. «Ich wollte den Leuten zeigen, wie unsere Tiere gehalten werden und auch Überzeugungsarbeit für ein Nein leisten», sagt Kündig. Er sei hingestanden, um alle Fragen zu beantworten und den Kreislauf seiner Tierhaltung mit Mist und Dünger aufzuzeigen. «Ich betreibe hier keine Massentierhaltung. Das geschieht nur dort, wo es keinen Bezug zu den Tieren mehr gibt.»

Ein fairer Preis für landwirtschaftliche Produkte

Ein bisschen anders sieht das Susanne Eberhart vom Demeterhof Roggesbüel in Grüningen, auch wenn sie und ihr Mann nicht gleicher Meinung sind. «Viele Demeterhöfe sind für die Initiative, weil sie unsere Stossrichtung der Ganzheitlichkeit unterstützt. Doch eigentlich wollen Erwin Kündig und wir dasselbe, nämlich einen fairen Preis für unsere Produkte.»

Eberhart weiss, dass der Heggenhof bei einem Ja stark betroffen wäre, mahnt aber auch nicht zu vergessen, dass die Umsetzung eine Übergangsfrist von 25 Jahren habe, auch für den Umbau der Ställe. «Natürlich fürchten Bauern um ihre Existenzen, deshalb sollte man auch die Konsumenten, die Verarbeiter und den Handel ins Boot holen und gemeinsame Ziele festlegen.»

Verlagerung ins Ausland?

Kündig ist überzeugt, dass es den Tieren bei einem Ja nicht besser gehen würde. Schon jetzt habe man in der Schweiz das strengste Tierschutzgesetzt und würde mit einer Annahme das Problem nur verlagern. «Tierschutzbestimmungen bei Importen zu kontrollieren ist meiner Meinung nach nicht umsetzbar und würde für den Bund einen grossen administrativen Aufwand bedingen.» Bio-Haltung im Ausland sei nicht mit der Bio-Haltung in der Schweiz vergleichbar, dass habe er mit eigenen Augen gesehen. Deshalb ist es Kündig wichtig, dass die Konsumentinnen und Konsumenten wieder Vertrauen in die regionale Produktion haben, deshalb habe er auch diesen Anlass organisiert.

«Tierschutzbestimmungen bei Importen zu kontrollieren ist meiner Meinung nach nicht umsetzbar und würde einen grossen administrativen Aufwand bedingen.»
Erwin Kündig, Heggenhof Grüningen
  • Tag der offenen Stalltüren auf dem Heggenhof in Grüningen Bild: Erwin Kündig / Heggenhof
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  • Viele interessierten sich für die eigene Hofproduktion. Bild: Erwin Kündig / Heggenhof
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Wirtschaftlichkeit auf Kosten von Tier und Natur

Bauern muss wirtschaftlich sein, findet auch Eberhart. «Vor 20 Jahren hat man den Bauern gesagt, macht einen Hofladen, macht Direktvermarktung. Doch das kann auch nicht jeder machen. Jetzt sagt man, Bauern sollen Unternehmer werden und weniger Subventionen in Anspruch nehmen. Doch das geht immer auf Kosten von Tier und Natur.»

In diesem Spannungsfeld bewege sich die Landwirtschaft, doch auf dieser Schiene könne man nicht endlos weiterfahren, glaubt die Bäuerin. 

«Es kann ja nicht sein, dass alle, die Kichererbsen essen, gut sind und die Bauern die Bösen. Wir müssen alle zusammen sitzen und nach Lösungen suchen.»
Susanne Eberhart, Demeterhof Roggenbüel Grüningen

Sie weiss, dass der Zeitgeist auch die Landwirtschaft bestimmt, ärgert sich aber gleichzeitig über die Verbände, die immer mit der Preiserhöhung der Nahrungsmittel argumentieren und den Bauern so die Möglichkeit nehmen, für faire Preise einzustehen. «So geht das natürlich nicht auf.»

Massentierhaltungs-Initiative – darum geht's

Die Initiative will den Schutz der Würde von Nutztieren wie Rindern, Hühnern oder Schweinen in die Verfassung aufnehmen. Sie will zudem die Massentierhaltung verbieten, weil dabei das Tierwohl systematisch verletzt werde.

Der Bund müsste strengere Mindestanforderungen festlegen für eine tierfreundliche Unterbringung und Pflege, den Zugang ins Freie, die Schlachtung und die maximale Gruppengrösse pro Stall. Diese Anforderungen müssten mindestens den Bio-Suisse-Richtlinien von 2018 entsprechen, und alle Landwirtschaftsbetriebe müssten sie bei der Tierhaltung einhalten.

Die Anforderungen würden auch für den Import von Tieren und Tierprodukten wie auch von Lebensmitteln mit Zutaten tierischer Herkunft gelten.

Bundesrat und Parlament lehnen die Initiative ab.

Weitere Infos:

www.massentierhaltung.ch
www.massentierhaltungsinitiative-nein.ch

 

 

Martina Gradmann