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11.09.2021
11.09.2021 08:38 Uhr

Massive Ausfälle bei der Getreideernte

«Katastrophale Getreideernte»: Hohe Ausfälle wegen Fusarienbefall auf dem Juckerhof. Bild: Juckerhof
Die diesjährige Getreideernte auf dem Juckerhof ist schlecht ausgefallen. Grund ist ein Pilzbefall aufgrund des nassen Wetters.

Als «Katastrophen-Ernte» bezeichnet der Juckerhof die diesjährige Getreideernte und als Lehrstück in Sachen Pflanzenschutz. Mehrere Parzellen ihres Hart- und Weichweizen seien von Fusarienbefall und Auskeimung betroffen. Das führe dazu, dass sie einen wesentlichen Teil davon nicht mehr verwerten können, als Futtergetreide verwertet werden muss oder in der Biogasanlage landet.

Auch finanziell bedeutet das grosse Einbussen: Für 100 kg Futtergetreide bekämen sie rund 20 Franken, für die Verwertung in der Biogasanlage gar nur noch 8 Franken. Für qualitativ einwandfreies Getreide liege der Wert bei rund 60 Franken, so Juckerhof.

«Fusarien sind etwas vom Schlimmsten, was man sich im Ackerbau einfangen kann.»
Robert Courth, Produktionsleiter beim Juckerhof in Rafz

Pilzbefall wegen nassem Wetter

Fusarien sind parasitäre Schlauchpilze, die Getreide aller Art befallen können, insbesondere bei nassen Bedingungen in der Blütezeit. Fusarien sorgen dafür, dass die Körner verkümmern. Darüber hinaus bilden sie gefährliche Mykotoxine. Ein Befall führe deshalb nicht selten dazu, dass die gesamte Ernte einer Parzelle gleich als Ganzes vernichtet werden müsse.

Robert Courth, Produktionsleiter beim Juckerhof in Rafz, dazu: «Fusarien sind etwas vom Schlimmsten, was man sich im Ackerbau einfangen kann». Das tue dem Bauern nicht nur wirtschaftlich weh, sondern sei auch einfach eine unnötige Verschwendung von Ressourcen. 

Um zu verhindern, dass kontaminiertes Getreide in den Verarbeitungskreislauf gelangt, werde standardmässig jede geerntete Ladung bei der Anlieferung in der Getreidesammelstelle jeweils mittels Stichproben analysiert. Ist der Fusarienbefall zu hoch, wird das befallene Getreide aufgrund der Toxizität auch nicht mehr als Futtermittel eingesetzt, sondern muss verbrannt werden.

Nur 30% brauchbar

Dieses Jahr ist der Fusarienbefall bei vielen Bauern aufgrund der extrem nassen Witterungsbedingungen offenar besonders hoch. Brigitte Gehring von der Getreidesammelstelle (GeSa) Hüntwangen sagte gegenüber dem Juckerhof, dass sie sowas noch nie erlebt habe. 2016 habe es in der GeSa Hüntwangen letztmals vermehrt Fusarien in den Proben gegeben. Doch nie in dem Ausmass, wie es dieses Jahr der Fall ist. Bis Mitte Juli hätten nur rund 30% der in der GeSa Hüntwangen angelieferten Ladungen eine ausreichende Qualität gehabt. Normalerweise seien es nahezu 100%.

Auch die Food and Agriculture Organization of the United Nations (FAO) schätzt, dass bis zu 25% der Weltproduktion von Nahrungsmitteln mit Mykotoxinen kontaminiert sind und pro Jahr etwa 1'000 Millionen Tonnen an Nahrungsmitteln auf Grund von Mykotoxinbelastungen verloren gehen.

Selbst Fungizide brachten nichts

Eigentlich hatte der Juckerhof sein Getreide dieses Jahr komplett ohne Fungizide produzieren wollen und es nur mit Komposttee-Behandlungen versucht. Doch wie sich schon im Juni abzeichnete, habe das beim Hartweizen leider nicht ausgereicht, weshalb man beschloss, doch noch eine Notbehandlung mit Fungiziden vorzunehmen. «Doch die Anwendung kam zu spät, als dass sie noch einen wesentlichen Einfluss gehabt hätte.»

Hätte man früh genug mit Pflanzenschutzmitteln eingegriffen, hätte es wohl nicht ganz so trostlos ausgesehen. «Es scheint paradox, aber hier produziert für einmal die Natur selbst ein Gift». Denn laut agroscope.ch können Fusarien Leber- und Nierenschädigungen, Beeinträchtigungen des Immunsystems, Haut- und Schleimhautschäden oder hormonelle Wirkungen wie Fruchtbarkeitsstörungen hervorrufen. Manche Mykotoxine seien sogar krebserregend und können Erbschäden hervorrufen. «Das relativiert den Einsatz von Fungiziden doch etwas», findet Juckerhof.

«Natürlich soll man nicht blind Chemie auf den Acker schmeissen. Aber wenn man die Wahl hat, die Ernte verbrennen zu müssen oder rechtzeitig wohldosiert nachzuhelfen – Was tut man dann?» Das zeige, dass es eben nicht nur schwarz-weiss gebe im Bereich Pflanzenschutz. Das Spritzen sei manchmal einfach nötig, um die Ernte zu retten.

Barbara Tudor