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Auto & Mobil
06.05.2021
07.05.2021 07:15 Uhr

Wie kommt man zur Ladestation in der Gemeinschaftsgarage?

Komplexer als man denkt: Ladestationen in Gemeinschaftsgaragen. Bild: Hustech AG
Immer mehr Menschen entscheiden sich beim Kauf eines neuen Autos für eine elektrische Variante. Neben E-Tankstellen braucht es auch eine Lademöglichkeit in der Garage. Wir wollten von Elektrofirmen und Liegenschaftsverwaltern wissen, was es für eine solche Installation braucht und welche Gefahren es aus Sicht der Feuerwehr gibt.

Wenn wir die gesetzten Klimaziele als Gesellschaft in Zukunft erreichen möchten, wird sich jeder einzelne Gedanken über den persönlichen Beitrag machen müssen. Während die einen ihren Konsum oder ihr Ernährungsverhalten umstellen, setzen andere auf neue Technologien. Auf dem Vormarsch ist hier neben der erneuerbaren Energiegewinnung auch die E-Mobilität. Schon heute prognostiziert die Autofachwelt, dass in 20 Jahren mehr Elektroautos verkauft werden als solche mit  Verbrennungsmotoren. Und schon in 40 Jahren könnten gar keine Benzinmotoren mehr gebaut werden. Doch wie funktioniert das mit der Ladestation? Was kann ich unternehmen, wenn ich mein Auto in einer Gemeinschaftsgarage aufladen möchte und dazu eine Ladestation brauche? Und welche Gefahren gehen von E-Autos aus?

Intelligente Systeme und Lademanagement

Die Gossauer Firma Hustech Installations AG setzt schon seit einiger Zeit auf Energiemanagement und E-Mobilität. Marsel Sibinovic, der verantwortliche Projektleiter: «Bei Garagen in Liegenschaften mit mehreren Bezügern sollte von Anfang an auf ein intelligentes, ausbaubares System gesetzt werden. Von Installationen ab dem Wohnungszähler mit eigener Zuleitung raten wir ab, weil es hier schnell zu einer Überlastung des Hausanschlusses kommen kann». Wichtig sei in Gemeinschaftsgaragen zudem ein zentrales Lademanagement. Dieses verteilt den zur Verfügung stehenden Strom optimal auf die verschiedenen Ladestationen. So könne verhindert werden, dass der Hausanschluss überlastet wird oder verstärkt werden muss. Sibinovic: «Wir empfehlen eine Grundinfrastruktur in der ganzen Garage, so dass die einzelnen Garagenplätze bei Bedarf individuell erschlossen und ans Gesamtsystem angebunden werden können».

«Ein intelligentes Energiemanagement versorgt neben den Ladestationen auch andere Verbraucher wie Wärmepumpe oder Boiler.»
Marsel Sibinovic, Projektleiter bei Hustech Installations AG

Kombination mit PV-Anlage ideal

Energiemanagement sei mittlerweile ein wichtiges Thema, sowohl im Eigenheim als auch in der Gemeinschaftsgarage, und werde an vielen Stockwerkeigentümer-Versammlungen behandelt, weiss Sibinovic. Er betont, dass sowohl im Eigenheim als auch in einer grösseren Liegenschaft die Kombination mit einer PV-Anlage optimal sei. «Ein intelligentes Energiemanagement versorgt alle Verbraucher, also auch die Wärmepumpe, den Boiler oder eben die Ladestationen mit dem zur Verfügung  stehenden Solarstrom, wodurch der Eigenverbrauch merklich erhöht und die Anlage schneller amortisiert wird».

«Lademöglichkeiten sollten an dem Ort zur Verfügung gestellt werden, wo das Auto bei Sonnenschein parkiert ist. Das ist bei den meisten Nutzern wohl nach wie vor der Arbeitsplatz.»
Didier Blumer, Nova Bautreuhand AG

Sicherung des Hausanschlusses

Auch die Grüninger Elektrofirma Kunz AG setzt auf die zukunftsträchtige E-Mobilität und befasst sich mit den Lademöglichkeiten und deren Installationen. «In  Einfamilienhäusern wird meist eine Ladestation eingerichtet, die den Ladevorgang regelt und mit einer Zuleitung von 5 x 2,5 mm2 und 400V gespiesen wird», erklärt Andreas Heiniger. Bei Ladestationen in Gemeinschaftsgaragen gebe es aber noch weitere Punkte zu beachten: «Nach Abklärungen der Sicherung des Hausanschlusses und dem Standort der Energiezähler, muss man sich für ein Lademanagement entscheiden, weil das Elektrizitätswerk ein solches ab drei Ladestationen verlangt. Dieses System überwacht, wie viel Energie zur Verfügung steht und wie diese auf die angeschlossenen Fahrzeuge verteilt werden kann». Das bestätigt auch die Pflugshaupt Engineering AG aus Grüningen: Für eine Gemeinschaftsgarage brauche es ein Lastmanagement für den Hausanschluss und ein Lademanagement, bei welchem die Ladestationen untereinander kommunizieren. Zudem sei eine solche Anlage bewilligungspflichtig, eine vorgängige Beratung also empfehlenswert. Ein Recht auf Laden? Auch wenn bei einigen Neubauten Vorinstallationen in Form von Flachbandkabeln bereits gelegt werden, sei das Interesse an solchen Ladestationen noch nicht sehr gross, sagt Didier Blumer von der Gossauer Nova Bautreuhand AG. «Wir hatten in einer Liegenschaft mit 18 Eigentumswohnungen ein Flachbandkabel legen und bewilligen lassen, genutzt wird es aber nur von einer Partei. Auch in Wald und Dietikon, wo wir insgesamt 70 Wohnungen erstellen, nutzen nur zwei Personen das Angebot». Doch auch Blumer glaubt, dass der Trend zur E-Mobilität steige und damit auch zu den Ladestationen. Ein «Recht auf Laden » will der Interessenverband eMobility den Besitzern von Elektroautos mit einem eingereichten Vorstoss verschaffen. Bisher hänge der Einbau von Ladestationen in Garagen oft vom Goodwill von Verwaltungen und Hausbesitzern ab. Mieter oder Stockwerkeigentümer sollen durch den Vorstoss neu einen Anspruch erhalten, auf ihrem Parkplatz eine Lademöglichkeit für ihr Fahrzeug zu installieren. «Das ist recht und gut, doch die hohe Investition wird Wohneigentum und Mieten in die Höhe treiben», sagt Blumer.  «Lademöglichkeiten sollten an dem Ort zur Verfügung gestellt werden, wo das Auto bei Sonnenschein parkiert ist. Das ist bei den meisten Nutzern wohl nach wie vor der Arbeitsplatz».

«Der Schaden bei einem Brand in einer Garage, auch bei Benzin- und Dieselautos, ist riesig.»
Erich Hofmann, Kommandant Feuerwehr Grüningen

Auch eine Frage der Sicherheit

Zum Thema Sicherheit von Elektroautos in Garagen sagt Erich Hofmann, Feuerwehrkommandant von Grüningen: «Beim Brandschutz gelten für Elektroautos die gleichen Vorschriften wie bei Benzin- und Dieselautos». Gerate allerdings ein Akku in Brand, könne dieser fast nicht gelöscht werden, weil dieser eine unglaubliche Hitze entwickle. «Brennende Elektroautos können wir nicht in der Garage löschen. Wir können nur kühlen und versuchen, die Temperatur runter zu bringen». Ein solches Fahrzeug müsse mit einem Spezialabschleppunternehmen aus der Garage geholt und mit speziellen Löschcontainern ummantelt werden. Der Schaden bei einem Brand in einer Garage, auch bei Benzin- und Dieselautos, sei auf jeden Fall immer riesig. Auch der stellvertretende Gossauer Feuerwehrkommandant Mirko Strik bestätigt diese Aussagen und sagt, dass es kritisch werde, wenn sich durch einen Unfall beschädigte Akkus entzünden. Dies gelte auch für E-Bikes, E-Trottinetts und Modell-Akkus, wobei vor allem die aus Fernost stammenden Produkte eher in solche Brände involviert seien. «Noch nicht gelöst ist auch die Entsorgung von Akkus nach Bränden oder deren Ausgasung. Denn diese ist nach wie vor gefährlich und die Rechtslage ist unklar», sagt Strik.

Vor- und Nachteile mit einem einheitlichen System / Lademanagement

(Grundinfrastruktur)

Vorteile:

– einheitliches System
– geringere Kosten als bei einzelnen Erschliessungen
– keine Erweiterung des Hausanschlusses notwendig
– eine Überlastung des Netzes wird vermieden
– einfache und unkomplizierte (bei Bedarf etappenweise) Erschliessung der Ladestation

Nachteile:

– Höhere Investitionskosten zu Beginn (Grundinstallation)

Martina Gradmann