Börse mit Verschnaufpause
Die Schweizer Wirtschaft ist im zweiten Quartal 2026 überraschend stark gewachsen. Ökonomen hatten nur mit etwa 0.4% Wachstum gerechnet – die Chemie- und Pharmabranche trieb den Boom. Das Bruttoinlandprodukt (BIP) hat in der Schweiz bereinigt zum Vorquartal real um 1.5% zugelegt gemäss Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco). Damit hat sich das Wachstum beschleunigt: Im ersten Quartal 2026 war die hiesige Wirtschaft mit einem BIP-Anstieg um 0.4% bereits gut in das Jahr gestartet, nachdem sich das Wachstum im 4. Quartal 2025 auf 0.2% belaufen hatte.
Die US-Konsumenteninflation sank im Juli von 3.5 auf 3.4%. Die Kerninflation (ohne Energie) sank auf 2.5%, den niedrigsten Wert seit Jahresanfang. Dies verringerte die Angst vor Zinserhöhungen. Ausserdem wuchs die Hoffnung auf Verlängerung der Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran und eine Vereinbarung zur Öffnung der Strasse von Hormus.
USA begeben Staatsanleihen zu höchster Rendite seit 2007 – geopolitische Spannungen und die Inflation setzen Staatsanleihen unter Druck. Die Renditen für die zehnjährigen Papiere sind so hoch wie seit der Finanzkrise 2008 nicht mehr. Die Rendite bei der USD 42 Mrd. schweren Auktion lag bei hohen 4.683%.
Die Schweizer Pensionskassen erzielen eine negative Anlageperformance im Juli mit einer im Durchschnitt negativen Rendite. Die über 100 von der UBS analysierten Vorsorgeeinrichtungen erwirtschafteten nach Abzug von Gebühren eine Anlageperformance von -0.22%. Dabei reichten die Renditen der einzelnen Kassen von -2.13 bis +1.02 Prozent.
Das «Too-Big-To-Fail-Paket» des Schweizer Bundesrats, ist eine Reform zur Regulierung systemrelevanter Banken, die als direkte Reaktion auf den Zusammenbruch der CS im Jahr 2023 erarbeitet wurde. Ziel der Reform ist es, Gesetzeslücken zu schliessen und das Risiko zu minimieren, dass im Krisenfall erneut Staat und Steuerzahlende mit Milliardenhilfen einspringen müssten. Es geht vor allem um Eigenkapital, Verantwortung und Bonus-Regelungen.
Unternehmensnachrichten
Die Ostschweizer Kantonalbanken wachsen stetig. Im ersten Halbjahr 2026 stieg der Gewinn der St.Galler Kantonalbank (SGKB) um 5.1 Prozent auf 119.9 Mio. und das Geschäftsvolumen um 4.4% auf CHF 111.3 Mrd., sie hat somit ihren Wachstumspfad in allen Bereichen fortgesetzt. Die Basler Kantonalbank (BKB) hat im ersten Halbjahr den Geschäftserfolg um 13.8% auf CHF 158.3 Mio. gesteigert. Der Reingewinn ist ebenfalls deutlich höher mit CHF 94,8 Mio. Das Zinsengeschäft legt zu, während die Hypothekarforderungen leicht abgenommen haben. Der Geschäftserfolg der Thurgauer Kantonalbank (TKB) im ersten Halbjahr 2026 steigt um 9.2% auf 123.5 Mio. Wegen deutlich höherer Reserven legt der Gewinn nur um 0,9% auf 81,6 Mio. zu. Besonders gut ist es für die TKB im Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft und im Handelsgeschäft gelaufen. Die Glarner Kantonalbank (GLKB) steigert im ersten Halbjahr 2026 nach einem Taucher im Vorjahr und einem guten Zinsengeschäft den Geschäftserfolg um 43% auf CHF 16.1 Mio. und den Reingewinn um 40% auf CHF 13.2 Mio. BKB.
Vor einer Woche war die Generalversammlung der Ems Chemie Gruppe. Die Aktionäre haben allen Anträgen des Verwaltungsrats zugestimmt. Damit erhalten die Aktionäre eine ordentliche Dividende von CHF 14.65 sowie eine ausserordentliche Dividende von CHF 3.75 je Aktie.
Der Augenheilmittelkonzern Alcon hat im zweiten Quartal 2026 einen Umsatz von USD 2.78 Mrd. (+8%) erzielt und die Kernmarge von 19.1 auf 20.6% erhöht. Der Gewinn je Aktie stieg von 76 auf 84 Cents.
Der Fleischverarbeiter Bell Food Group hat im ersten Halbjahr den Umsatz auf CHF 2,41 Mrd. (+0,4%) erhöht. Der operative Gewinn auf Stufe Ebit stieg um 15.4% auf CHF 76.4 Mio. Der Gewinn legte um 21.3% auf CHF 55.4 Mio. zu. Die Nachfrage nach Grillprodukten ist wegen des heissen Sommers grösser.
Die Internetbank Swissquote senkt die Jahresziele nach einem schwachen ersten Semester. Der Nettoertrag sank um 1.7% auf 364,2 Mio. Besonders gelitten haben die Einnahmen durch den Kryptomarkt.
Der Finanzdienstleister VZ Holding hat im ersten Halbjahr den Betriebsertrag um 14% auf 316.5 Mio. gesteigert. Das Betriebsergebnis Ebit nahm um 18% auf CHF 153.1 Mio. zu.
Aussichten
Geopolitische Entspannung, eine vorübergehende Ruhepause im Nahostkonflikt, hat zu einem Rückgang der Rohölpreise (Brent knapp unter 90 US-Dollar) geführt. Dies milderte die unmittelbaren Inflationssorgen und unterstützt die Aktienmärkte. Die Märkte beobachten die US-Zinspolitik unter dem neuen Fed-Chef Kevin Warsh sehr genau. Angesichts der hohen Inflation in der Eurozone und den USA werden Signale für künftige Zinserhöhungen gespannt erwartet. Die langfristigen Zinsen steigen bereits. Trotz ihrer historisch bedingten Volatilität notieren die Aktienmärkte im August 2026 stabil und nur knapp unter Rekordniveau, beweisen damit eine unerwartete Robustheit. Obwohl der August oft als saisonbedingt unsicher gilt, zeigen führende Indizes Europas und der USA Stabilität, gestützt durch gute Unternehmensgewinne.