Klima beeinflusst Konsum kaum
Die Klimadebatte hat für 34 Prozent der Schweizer Bevölkerung gar keinen Einfluss auf Konsum- und Finanzentscheidungen, weitere 46 Prozent sprechen von einem geringen Einfluss. Nur bei 20 Prozent wirkt sie sich stärker auf das eigene Handeln aus, wie Comparis mitteilt. Grundlage ist eine repräsentative Befragung von 1’040 Personen.
Gutverdienende weniger beeinflusst
Unterschiede zeigen sich beim Einkommen. Bei Personen mit einem Bruttohaushaltseinkommen bis 4’000 Franken geben 75 Prozent an, dass die Klimadebatte keinen oder höchstens einen geringen Einfluss auf ihre Entscheidungen habe. Bei Einkommen von mehr als 8’000 Franken sind es 84 Prozent.
«Der Verzicht oder eine Verhaltensänderung scheint Gutverdienenden noch schwerer zu fallen als Menschen mit weniger Geld im Portemonnaie. Das dürfte auch daran liegen, dass sich Besserverdienende schlicht mehr Reisen und mehr Konsum leisten können», sagt Comparis-Consumer-Finance-Experte Michael Kuhn.
Klima wichtiger für Familien
Eine grössere Rolle spielt die Klimadebatte bei Menschen mit Kindern im Haushalt. 74 Prozent dieser Gruppe geben an, dass das Thema einen geringen bis sehr grossen Einfluss auf ihre Entscheidungen habe. Bei Haushalten ohne Kinder sind es 62 Prozent.
Auch die Haushaltsgrösse spielt eine Rolle. Bei Haushalten mit drei oder mehr Personen ist der angegebene Einfluss der Klimadebatte stärker als bei Ein- und Zweipersonenhaushalten.
«Wer über die eigene Lebensspanne hinausdenkt und auch kommende Generationen im Blick hat, agiert umsichtiger. Das zeigt sich auch bei der Haushaltsgrösse: Die Klimadiskussion prägt bei Drei- und Mehrpersonenhaushalten das eigene Verhalten deutlich stärker als bei Ein- und Zweipersonenhaushalten», sagt Kuhn.
Einfluss nimmt seit Jahren ab
Comparis hat die Frage nach dem Einfluss der Klimadebatte auf Konsum- und Finanzentscheidungen seit 2019 insgesamt 14-mal gestellt. Zwischen Dezember 2020 und August 2023 gaben jeweils 66 bis 70 Prozent an, dass die Debatte einen geringen oder gar keinen Einfluss auf ihre Entscheidungen habe.
Seither ist dieser Anteil laut Comparis kontinuierlich gestiegen und liegt in der jüngsten Befragung bei 80 Prozent. Der Anteil der Personen, die gar keinen Einfluss sehen, stieg von früher 18 bis 20 Prozent auf aktuell 34 Prozent.
«Diese Klimamüdigkeit ist das Resultat eines fatalen Mixes aus greifbareren, dringenderen Problemen wie zum Beispiel steigenden Krankenkassenprämien, höheren Mieten, Kriegen und Teuerung, einer Ermüdung durch eine omnipräsente Debatte sowie einem Gefühl der Machtlosigkeit, teils sogar Fatalismus», sagt Kuhn.
Anspruch und Verhalten gehen auseinander
Von den Befragten, die der Klimadebatte mindestens einen geringen Einfluss zuschreiben, geben 40 Prozent an, weniger Fleisch und tierische Produkte zu konsumieren. 36 Prozent sagen, bei Flugreisen Abstriche gemacht zu haben.
Statistische Daten zeigen jedoch ein anderes Bild: Der Fleischkonsum stieg laut Agrarbericht des Bundes von 48 Kilogramm pro Kopf 2023 auf 51 Kilogramm 2025. Seit 2019 bewegt er sich insgesamt bei rund 50 Kilogramm. Auch der Eierkonsum erreichte 2025 mit 209 Eiern pro Kopf einen neuen Höchststand.
Bei Flugreisen ist ebenfalls kein genereller Rückgang erkennbar. Am Flughafen Zürich wurden 2025 rund 23,2 Millionen Lokalpassagiere gezählt, gegenüber 22,2 Millionen 2019. Eine Auswertung für die Stadt Zürich zeigt zudem, dass die Bevölkerung 2024 durchschnittlich rund 10’500 Kilometer flog – etwa 600 Kilometer mehr als im Vorjahr.
«Man hätte zwar gerne, dass etwas getan wird, aber wenn es dann darum geht, selbst auf eine Flugreise, Kleider oder ein Schnitzel zu verzichten, will man das dann doch nicht», sagt Kuhn.
Bewusster einkaufen
Comparis empfiehlt, vor spontanen Anschaffungen eine Wartezeit einzulegen und stärker auf Langlebigkeit und Reparierbarkeit zu achten. Vor einem Neukauf könnten zudem Reparatur, Gebrauchtkauf, Tauschen oder Ausleihen geprüft werden. Bei Kaufentscheidungen sollten neben dem Preis auch Nutzen, Haltbarkeit, Herkunft und mögliche Alternativen berücksichtigt werden.
Die Befragung wurde im Juli 2026 vom Marktforschungsinstitut Innofact im Auftrag von Comparis unter 1’040 Personen in allen Regionen der Schweiz durchgeführt.