Home Region Sport Magazin Schweiz/Ausland Agenda
Natur & Umwelt
10.08.2026
10.08.2026 10:10 Uhr

«Tag des letzten Raclette»

Symbolischer Protest des VMMO-Vorstands auf der Schwägalp: Mit dem «Tag des letzten Raclette» macht die VMMO auf ihre Bedenken gegenüber der Ernährungsinitiative aufmerksam.
Symbolischer Protest des VMMO-Vorstands auf der Schwägalp: Mit dem «Tag des letzten Raclette» macht die VMMO auf ihre Bedenken gegenüber der Ernährungsinitiative aufmerksam. Bild: PD
Mit einem «Tag des letzten Raclette» auf der Schwägalp lanciert die VMMO ihre Kampagne gegen die Ernährungsinitiative, über die am 27. September abgestimmt wird.

Der Vorstand der Genossenschaft Vereinigten Milchbauern Mitte-Ost (VMMO) hat sich am Sonntag auf der Schwägalp zum «Tag des letzten Raclette» getroffen. Mit dem Anlass startete die Organisation ihre Kampagne gegen die Ernährungsinitiative, die am 27. September 2026 zur Abstimmung kommt.

Die im Vorstand vertretenen Milchbäuerinnen und Milchbauern befürchten bei einer Annahme der Initiative negative Folgen für die Schweizer Milchproduktion. Im Zentrum ihrer Kritik stehen mögliche Veränderungen bei der Tierhaltung sowie Einschränkungen beim Konsum tierischer Lebensmittel.

Raclette als Symbol

Das Raclette wählte die VMMO bewusst als Symbol für die landwirtschaftliche Wertschöpfungskette. Milch entsteht auf Landwirtschaftsbetrieben aus Gras und Raufutter und wird anschliessend von Molkereien und Käsereien zu verschiedenen Lebensmitteln verarbeitet.

Die Ernährungsinitiative verlangt einen Selbstversorgungsgrad von mindestens 70 Prozent. Nach Ansicht der VMMO wäre dieses Ziel mit einer deutlichen Reduktion des Konsums tierischer Lebensmittel verbunden. Die Organisation warnt zudem vor höheren Preisen und zusätzlichem Einkaufstourismus.

«Bei einem Ja wird das Raclette natürlich nicht am nächsten Tag verboten. Aber der politische Kompass würde neu ausgerichtet», sagte VMMO-Präsident Reto Schaufelberger. Dies betreffe die Betriebe, deren Investitionen und die Zukunft der Milchproduktion.

In Zukunft Kartoffeln pflanzen auf der Schwägalp? Bild: PD
«Wo Ackerbau sinnvoll ist, sollen wir Ackerbau betreiben. Wo Gras wächst, können Kühe dieses Gras in wertvolle Lebensmittel wie Milch und Käse umwandeln.»
Reto Schaufelberger, Präsident VMMO

Tierhaltung im Berggebiet

Ein weiteres Argument der Milchbauern betrifft die unterschiedlichen Voraussetzungen für die Landwirtschaft. Boden, Klima und Topografie bestimmten wesentlich, welche Form der Bewirtschaftung an einem Standort sinnvoll sei.

Gerade im Berg- und Alpgebiet spiele die Tierhaltung eine zentrale Rolle, argumentiert die VMMO. Viele Flächen eigneten sich nicht für den Ackerbau, könnten aber als Wiesen und Weiden genutzt werden. Kühe und andere Wiederkäuer verwerteten das dort wachsende Gras und machten es für die Lebensmittelproduktion nutzbar.

«Wo Ackerbau sinnvoll ist, sollen wir Ackerbau betreiben. Wo Gras wächst, können Kühe dieses Gras in wertvolle Lebensmittel wie Milch und Käse umwandeln», erklärte Schaufelberger.

Kartoffeln auf 1300 Metern

Für ihre Botschaft griffen die Milchbauern auf der Schwägalp auch zu einer symbolischen Aktion: Auf rund 1300 Metern über Meer pflanzten die Teilnehmenden Kartoffeln.

Damit wollte die VMMO zeigen, dass die theoretische Eignung einer Fläche für den Pflanzenbau nicht automatisch bedeute, dass dort auch eine sinnvolle und wirtschaftliche Ackernutzung möglich sei. Aus Sicht der Organisation sollte sich die landwirtschaftliche Produktion deshalb in erster Linie an den natürlichen Bedingungen eines Standorts orientieren.

Zürioberland24/bt
Demnächst