«Trockenheit zeigt den wahren Wert unserer Böden»
Seit längerem setzen sich Landwirte und der Bauernverband gegen die vom Kanton geplante Vernässung von Naturflächen zur Wehr. Sie sind überzeugt, dass mit der Ausweitung solcher Freiflächen – sie dürfen dann nicht mehr landwirtschaftlich genutzt werden – wertvolles fruchtbares Land verloren geht, welche die Menschen mit Nahrungsmitteln versorgen soll. Mit der aktuellen Trockenheit erfährt diese Befürchtung neuen Aufwind.
«Die anhaltende Trockenheit zeigt eindrücklich, dass sich der Wert landwirtschaftlicher Böden durch den Klimawandel verändert hat», schreibt der Zürcher Bauernverband (ZBV) in seiner Mitteilung. «Während Standorte mit geringer Wasserspeicherfähigkeit bereits unter Ertragseinbussen leiden, liefern Böden mit hoher Wasserspeicherfähigkeit weiterhin stabile Erträge.» Die Trockenheit mache sichtbar, welche Böden unter den heutigen Klimabedingungen besonders leistungsfähig sind.
Basis sind veraltete Klimadaten
Die heutigen Bodenkartierungen und Nutzungseignungsklassen (NEK) würden weitgehend auf Klimadaten vergangener Jahrzehnte beruhen. Dadurch würden Böden mit hoher Wasserspeicherfähigkeit teilweise lediglich den Nutzungseignungsklassen 5 oder 6 zugeordnet oder gar nicht als Fruchtfolgeflächen ausgewiesen. «Obwohl sie heute zu den leistungsfähigsten Produktionsstandorten gehören, geniessen sie oft keinen ausreichenden Schutz und geraten dadurch vermehrt in den Fokus von Vernässungs- und Naturschutzprojekten», kritisiert der ZBV. «Wertvolle Produktionsstandorte drohen verloren zu gehen, obwohl sie unter den heutigen klimatischen Bedingungen eine Schlüsselrolle für die Versorgung mit regionalen Lebensmitteln übernehmen.»
ZBV fordert die Aktualisierung der Bodenkartierung
Der Zürcher Bauernverband fordert deshalb eine Aktualisierung der Bodenkartierungen auf Basis aktueller Klimadaten. Gleichzeitig dürften leichte und sandige Böden ihren Schutzstatus nicht verlieren. «Das nasse Jahr 2024 hat gezeigt, dass gerade sie bei anhaltenden Niederschlägen besonders ertragssicher sind», so der ZBV weiter. Entscheidend sei nicht der Bodentyp, sondern seine tatsächliche Leistungsfähigkeit unter den heutigen klimatischen Bedingungen. «Nur so können jene Böden geschützt werden, die auch künftig die Ernährungssicherheit gewährleisten.»
Bodenkartierung und NEK
Die Bodenkartierung erfasst systematisch die Eigenschaften der Böden und stellt sie in Karten dar. Ziel ist es, fundierte Grundlagen für Landwirtschaft, Raumplanung, Natur- und Gewässerschutz sowie den Klimawandel bereitzustellen. Erfasst werden unter anderem Bodentyp, Bodenaufbau, Bodenmächtigkeit, Wasserhaushalt, Humusgehalt, Skelettgehalt (Steine), Durchwurzelbarkeit, pH-Wert und Nährstoffspeicher sowie Hangneigung und Relief.
Die Schweiz verfügt bislang nur für rund 13 % der landwirtschaftlich genutzten Fläche über moderne, qualitativ ausreichende Bodenkarten. Deshalb haben Bund und Kantone 2023 das Projekt einer schweizweiten Bodenkartierung gestartet, das schrittweise in den kommenden Jahrzehnten umgesetzt wird. Quelle: BAFU
Die Nutzungseignungsklassen (NEK) beschreiben die landwirtschaftliche Eignung eines Bodens. Dabei werden nicht nur der Boden selbst, sondern auch Relief und Klima berücksichtigt. Die Beurteilung basiert hauptsächlich auf Bodenqualität, Wasserhaushalt, Durchwurzelbarkeit, Hanglage, Klima und Mechanisierbarkeit. Die NEK werden beispielsweise zur Ausscheidung von Fruchtfolgeflächen (FFF), Landwirtschaftlichen Beratung, Raumplanung, Bodenaufwertungen und Umweltverträglichkeitsprüfungen verwendet. Für die Sicherung der landwirtschaftlich wertvollsten Böden gelten die NEK als wichtiges Bewertungskriterium.
Im Kanton Zürich sind die Nutzungseignungsklassen (NEK) ein standardisiertes Bewertungssystem für die agronomische Qualität von Landwirtschaftsböden. Sie geben an, wie gut sich ein Standort für die landwirtschaftliche Nutzung eignet. Die Beurteilung berücksichtigt drei wesentliche Standortfaktoren: Boden, Relief, Klima. Die Nutzungseignungskarte des Kantons Zürich weist 10 Klassen (NEK 1–10) aus. Quelle: Stadt Zürich