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Grüningen
20.10.2025
22.10.2025 00:49 Uhr

Wichtige Beschäftigung für Sonnhalden-Bewohnende

Die geschützte Werkstatt der Sonnhalde gibt den Bewohnenden eine Tagesstruktur (Archivbild).
Die geschützte Werkstatt der Sonnhalde gibt den Bewohnenden eine Tagesstruktur (Archivbild). Bild: zvg
In der geschützten Werkstatt der Sonnhalde arbeiten Bewohnende einerseits, um sich zu beschäftigen und eine sinnvolle Tagesstruktur zu bekommen, auf der anderen Seite stellen sie wichtige Produkte für die Industrie her.

Anfang Oktober lud das Pflege-und Betreuungszentrum Sonnhalde in Grüningen zu einer Besichtigung ihrer geschützten Werkstatt ein. Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Firmen haben sich um den Tisch im Besucherraum gruppiert, um den Ausführungen von Philipp Kunz, dem Betriebsleiter der geschützten Werkstatt, zu lauschen.

Als eine Geschäftsinhaberin mit ihren zwei Kindern auftaucht und sich entschuldigt, dass der Babysitter ausgefallen sei, bringt das Kunz nicht aus der Ruhe. Im Gegenteil, er besorgt Papier und Buntstifte für die Kleinen und wendet sich wieder seiner Präsentation zu.

Ein kleines Dorf im Dorf

Die Zahlen des Pflege- und Betreuungszentrums Sonnhalde sind beeindruckend, gehören doch mehrere Liegenschaften an Gerbistrasse, Binzikerbach, Chalberweidli und anderen Standorten dazu. Das Zentrum besteht aus 13 Häusern, 300 Betten, 16 Stationen, 300 Mitarbeitenden, zehn Lehrberufen, acht Ärzten, einem 24/7-Betrieb und 50-jähriger Erfahrung. «Wir sind ein Dorf im Dorf», sagt Kunz.

Philipp Kunz, Betriebsleiter der geschützten Werkstatt, gab den Gästen einen Einblick in die Arbeit und Organisation. Bild: Martina Gradmann

Sinnvolle Tätigkeit wichtig

In der Sonnhalde finden Menschen mit Suchterkrankungen und psychischen Beeinträchtigungen ein Zuhause, die bisher keine geeignete Hilfe erhalten konnten. In der geschützten Werkstatt an der Industriestrasse arbeiten derzeit 35 Bewohnende. Sie bekommen dort nicht nur eine Tagesstruktur, sie produzieren auch Sinnvolles, was bei psychischen Erkrankungen wichtig sei, erklärt Kunz. «Je nach Tagesform arbeiten sie drei Stunden am Vormittag oder am Nachmittag, oder auch sechs Stunden am Stück», so Kunz.

Sie arbeiten dabei in der mechanischen oder der elektronischen Fertigung, in der Elektro- oder Baugruppenmontage, im Mailing- und Drucksachenservice oder im Co-Packing. Ein grosser Kunde ist die Belimo, für die Brandfühler produziert werden. Aber auch Ferag, VZO, Fripoo, die Winterhilfe oder Innique vergeben Aufträge an die Grüninger Werkstatt.

Sozialer Gedanke im Vordergrund

Es sei eine breite Projektpalette, wobei man immer auf der Suche nach neuen Aufträgen sei, erklärt der Werkstattleiter. Bei den meisten Firmen stehe dabei der soziale Gedanke im Vordergrund, doch natürlich müsse man auch wirtschaftlich arbeiten.

Arbeitsschritte und Kontrolle

Nach einer Produktionssitzung werde bestimmt, wer an welchen Projekten arbeite. «Pro Schritt sind das meist vier bis fünf Arbeitsplätze, wobei viele Bewohnende immer das Gleiche machen wollen, andere lieber jeden Tag etwas anderes», erzählt Kunz.

Auf dem Werkstattrundgang können die Besuchenden mitverfolgen, wie kleinste Einzelteile zusammengesteckt werden, wie gestanzt und geklebt wird. Die Endprodukte gehen jeweils durch eine Fertigungskontrolle, und Produktionsmitarbeitende helfen mit, damit die Termine eingehalten werden.

Eine Heimbewohnerin steckt Einzelteile zusammen. Bild: Martina Gradmann

Bezahlte Arbeit

Die Arbeit wird entlöhnt. «Viele Bewohnende schätzen es, durch ihre Arbeit ein Stück Selbstständigkeit zu gewinnen. Kleine Pausen zwischendurch werden gern genutzt, um neue Energie zu tanken und ins Gespräch zu kommen», sagt Kunz. Und tatsächlich verlassen gerade einige ihren Arbeitsplatz, um eine Pause zu machen. Kunz erzählt auch, dass man sich nicht immer darauf verlassen könne, dass alle zur Arbeit erscheinen, und man ihnen den Lohn nur bei Anwesenheit zahle. Es brauche manchmal Geduld, doch viele seien stolz, dass sie etwas Sinnvolles produzieren können.

«Es ist wichtig, Arbeitsmöglichkeiten zu schaffen, die menschliche Begegnung, Sinn und Teilhabe ermöglichen.»
Philipp Kunz

Neue Angebote und Ideen

«In der Werkstatt steht der Mensch im Mittelpunkt», betont Kunz. Ziel sei es, den Bewohnenden eine sinnvolle, ihren Fähigkeiten entsprechende Beschäftigung zu bieten – und nicht der wirtschaftliche Gewinn. Da die Werkstatt nicht subventioniert und selten kostendeckend ist, sucht das Team laufend nach neuen, passenden Aufträgen. Angesichts zunehmender Automatisierung und Künstlicher Intelligenz werde das zur wachsenden Herausforderung.

«Umso wichtiger bleibt es, Arbeitsmöglichkeiten zu schaffen, die menschliche Begegnung, Sinn und Teilhabe ermöglichen.» Um unabhängiger zu werden, habe man sich auf neue Gebiete vorgewagt, wie die handgefertigten Paletten-Lounges für Garten und Terrasse.

Der Rundgang ist beendet und die Firmenvertreter beeindruckt. Hier können Menschen mit psychischen Erkrankungen etwas leisten und fühlen sich wertgeschätzt. Das ist wichtig, denn Tatsache ist: Die meisten von ihnen werden ihr Leben lang im Betreuungs- und Pflegzentrum bleiben.

Martina Gradmann
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