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19.08.2025
19.08.2025 15:59 Uhr

«Eine weitere Chance zur Rettung des GZO wird es nicht geben»

Die SVP Bezirk Hinwil hat sich für den GZO-Kredit ausgesprochen. Zürioberland24 hat nachgefragt. (Symbolbild)
Die SVP Bezirk Hinwil hat sich für den GZO-Kredit ausgesprochen. Zürioberland24 hat nachgefragt. (Symbolbild) Bild: AdobeStock/ZO24
Die SVP Bezirk Hinwil will sich für die Bewältigung der derzeitigen Probleme rund um das GZO-Spital und die Schaffung einer zukunftsfähigen Gesundheitsversorgung in der Region einsetzen. Zürioberland24 hat nachgehakt.

An der letzten Bezirksvorstandssitzung hat die SVP Bezirk Hinwil beschlossen, an ihrer bisherigen Haltung zum Spital Wetzikon festzuhalten (wir berichteten). Die SVP Bezirk Hinwil wolle sich mit Nachdruck für die Bewältigung der derzeitigen Probleme rund um das GZO-Spital Wetzikon und die Schaffung einer zukunftsfähigen Gesundheitsversorgung in der Region einsetzen, hiess es in der Mitteilung vom 11. August.

Zürioberland24 hat bei der SVP Bezirk Hinwil, Kantonsrat Daniel Wäfler (Gossau ZH) und Gemeindepräsident René Schweizer (Fischenthal), nachgefragt.

Zürioberland24: Die SVP will sich «mit Nachdruck für die Bewältigung der derzeitigen Probleme» einsetzen. Wie genau?

Daniel Wäfler: Die SVP Bezirk Hinwil bezieht im Hinblick auf die Volksabstimmungen vom 30. November klar Stellung für den Sanierungsvorschlag mit der Aktienkapitalerhöhung. Diese Abstimmungsempfehlung erfolgt gegenüber der breiten Öffentlichkeit wie auch an die parteiinternen Gremien und Mandatsträger.

Die SVP beschreibt die Sanierung in ihrer Mitteilung als «Herkulesaufgabe». Wo im Sanierungskonzept sieht die SVP die grössten Gefahren oder Hürden?

René Schweizer: Die «Herkulesaufgabe» für die neue Spitalleitung besteht darin, das Vertrauen wiederherzustellen. Dieses ist notwendig, um die Zustimmung der Stimmberechtigten in den Gemeinden sowie die Zustimmung der Gläubiger zu erreichen – beides hohe Hürden.

Die SVP ist der Ansicht, dass die Sanierung Aufgabe der Aktionärsgemeinden ist. Diese sind faktisch die Steuerzahler, die aber bezüglich der Entscheide, wie z. B. die Wahl des GZO-Verwaltungsrats, kein Mitbestimmungsrecht hatten. Wie erklären Sie den Steuerzahlenden, dass die Erhaltung des GZO in vielen Gemeinden nur mit Steuererhöhungen und fehlenden Mitteln in den Gemeinden selbst finanzierbar ist?

Daniel Wäfler: Die Verantwortung der Aktionärsgemeinden ist gegeben seit der Einführung des Spitalplanungs- und Finanzierungsgesetzes im Jahr 2012. Darauf basierend wurde das GZO wie andere Spitäler auch in die Organisationsform einer AG umgewandelt, womit die Eigentümer auch in die Verantwortung gerieten, mit allen Rechten und Pflichten eines Eigentümers. Dieses Mitbestimmungsrecht ist gewährleistet, wenn auch «nur» indirekt über die gewählten Gemeindebehörden. Doch wird dieses künftig sicherlich mehr wahrgenommen, gerade weil es mit der Sanierung Einschnitte in den Gemeindefinanzen gibt.

«Mit der Kumulation von zu vielen Funktionen galt der bisherige VR-Präsident als unantastbar – mit den bekannten Folgen.»
René Schweizer, Gemeindepräsident von Fischenthal

Die SVP Bezirk Hinwil kritisiert die «teils falschen Weichenstellungen» des bisherigen Verwaltungsrats. Die SVP will, dass künftige Entscheidungen stets «kritisch von den Aktionärsgemeinden begleitet» werden. Haben die Aktionärsgemeinden in der Vergangenheit versagt?

René Schweizer: Bei der Wahrnehmung der Aufsichtsfunktion durch die Aktionärsgemeinden zeigt sich tatsächlich eine gewisse Problematik bei den Möglichkeiten von Milizbehörden bei solchen Aufgaben. Zudem war die Nähe oder gar Personalunion des VR-Präsidiums mit dem Präsidium der Gemeindepräsidenten des Bezirks Hinwil nicht hilfreich für eine glaubwürdige Aufsichtsfunktion.

Mit der Kumulation von zu vielen Funktionen galt der VR-Präsident als «unantastbar» – mit den bekannten Folgen. Künftig müssen kritische Fragen immer ihre Berechtigung und ihren Wert haben und rote Köpfe darf es bei der Beantwortung keinesfalls geben.

«Eine weitere Chance zur Rettung des Spitalstandortes Wetzikon wird es nicht geben.»
Daniel Wäfler, SVP-Kantonsrat

Wie genau soll eine bessere Kontrolle erfolgen? Welche Kontrollmechanismen müssen Ihrer Ansicht nach eingesetzt werden, die heute nicht bestehen? Was will die SVP konkret unternehmen, damit der neue Verwaltungsrat keine ähnlichen Fehler begeht?

René Schweizer: Der neue VR ist nicht mehr direkt verbandelt mit den Gemeindebehörden. Sowohl die Eigentümergemeinden wie auch der neue Verwaltungsrat und die neue GZO-Geschäftsleitung sollten aus dem Desaster gelernt haben und für wirkungsvolle Kontrollmechanismen sorgen.

Daniel Wäfler: Die Kompetenz und die Unabhängigkeit scheinen bei der neuen GZO-Führung vorhanden zu sein. Aber für die SVP steht fest: Es ist eine Frage des Vertrauens. Die neue Führung verdient dieses Vertrauen. Eine weitere Chance zur Rettung des Spitalstandortes Wetzikon wird es nicht geben.

Die SVP sieht einen Spitalverbund nicht nur als wichtig, sondern als «zwingend erforderlich» an. Doch ein solcher Verbund scheint immer unrealistischer zu werden: Die umliegenden Spitäler orientieren sich bereits neu und gehen Partnerschaften mit anderen Spitälern ein. Das GZO wird auch mit Zustimmung für den Kredit noch Jahre brauchen, um zu gesunden. Dazu kommt: Der Neubau ist nicht fertiggestellt und bald wird der GZO-Turm sanierungsbedürftig oder ist es bereits. Ist da ein Spitalverbund – einer der Eckpfeiler des Sanierungskonzepts – nicht utopisch?

René Schweizer: Die Spitallandschaft wird sich immer wieder verändern und anpassen müssen. Damit wird die Zusammenarbeit der verschiedenen Akteure früher oder später zwangsläufig immer wieder zum Thema. Bezüglich Möglichkeiten für einen zukünftigen Spitalverbund stützt sich die SVP aber auch auf Absichtserklärungen und Einschätzungen der neuen Spitalleitung.

Barbara Tudor
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