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Grüningen
04.07.2025
04.07.2025 09:23 Uhr

«Der Klimawandel ist ein Fakt»

Bernhard Bereiter fährt täglich mit seinem E-Bike von Grüningen nach Wetzikon zur Arbeit.
Bernhard Bereiter fährt täglich mit seinem E-Bike von Grüningen nach Wetzikon zur Arbeit. Bild: Martina Gradmann
Bernhard Bereiter aus Grüningen weiss, wovon er spricht. Der Physiker hat nicht nur eine Doktorarbeit in Klimaphysik geschrieben, er war auch als Wissenschaftler in der Antarktis und hat dort Eiskernbohrungen vorgenommen.

Manch einer wird ihn schon gesehen haben, wenn er mit seinem E-Bike durchs Dorf flitzt. Bernhard Bereiter fährt täglich bei jedem Wetter und zu jeder Jahreszeit mit dem Velo zur Arbeit nach Wetzikon. Er findet, das E-Bike sei ein «Win-win-win» im Gegensatz zum Auto: besser fürs Klima, für die Gesundheit und für das Portemonnaie und könnte manch ein Auto ersetzen.

Beitrag für die Umwelt

Der studierte Physiker ist bei der Firma Seitz-Valve in der Entwicklung von Hochdruckventilen für gasförmige Medien tätig und leistet mit seiner Firma einen Beitrag zur weltweiten Emissionsreduzierung. Bereiter hat sich schon immer für Umweltthemen interessiert, obwohl sich der gebürtige Grabser anfangs nicht für eine Studienrichtung entscheiden konnte. «Technik, Naturwissenschaften, aber auch Sport – ich hätte mir alles vorstellen können», sagt er. Schliesslich begann er ein Physikstudium an der Universität Bern, weil dort die meisten seiner Interessen zusammenkamen.

Von San Diego in die Antarktis

Für seine Doktorarbeit im Bereich Klimaforschung führte er zusammen mit anderen Forschenden CO2-Messungen an einem drei Kilometer langen Eisbohrkern durch, analysierte die Daten und baute eine Anlage für eine effizientere Messung.

Kurz danach konnte er für eine «Postdoc»-Anstellung nach San Diego (USA) an die Scripps Institution of Oceanography, «den wohl schönsten Arbeitsort der Welt», wie er sagt, wo er sich ebenfalls mit Eisbohrkernen beschäftigte und für die Messungen von Krypton/Xenon eine Anlage baute. «Diese Messungen verschafften uns neue Einblicke in die Ozeantemperatur der letzten 20 000 Jahre und wurden in der Fachzeitschrift ‹Nature› veröffentlicht.»

Zur Arbeit am «Scripps» gehörte eine Reise in die Antarktis, um weitere Eiskernbohrungen vorzunehmen. «Die Reise ging über Neuseeland, wo wir erstes Material fassten, medizinische Abklärungen vornahmen und schliesslich mit einem Frachtflieger der US-Airforce auf die Forschungsstation McMurdo geflogen wurden.»

Dick eingepackt

Nach weiteren Schulungen und Materialaufnahme ging es mit dem Helikopter weiter in die «Dry Valleys», wo die Gruppe während vier Wochen Eiskerne bohrte. «Die Dry Valleys sind wie eine Mondlandschaft, karg, trocken, kalt und es wehen die sehr starken katabatischen Winde»,
erzählt der zweifache Familienvater. «Wir haben in Iglu-Zelten geschlafen und waren ständig dick eingepackt unterwegs.» Die Gruppe konnte viel Eis herausbohren und wertvolle Erkenntnisse sammeln.

Und auch wenn ihm die Bewegung in den dicken Kleidern oft gefehlt habe, würde er sofort wieder in die Antarktis gehen. Zurück in der Schweiz beschäftigte sich Bereiter an der EMPA weiter mit Eiskernen und entwickelte ein Laserspektrometer, um die Treibhausgas-Konzentration im Eis zu
messen. Seit 2020 arbeitet Bereiter in der Privatwirtschaft. Ihm gefalle die Praxisnähe, weil man als Akademiker doch immer ein bisschen blind auf diesem Auge sei.

Von China lernen

Wenig Verständnis hat Bereiter für das Bestreiten des Klimawandels. Daten und Fakten seien schon lange klar und es sei an der Zeit, zu handeln. «Klimapolitik ist ein globales Thema, doch irgendwie haben alle westlichen Staaten Angst, den ersten Schritt zu machen. Dabei wäre es eine Chance, jetzt zu investieren, um später die Nase vorn zu haben.»

In diesem Zusammenhang findet Bereiter, könne man von China lernen: Der Staat habe schon vor über 20 Jahren begonnen, als die Grundlagen des Klimawandels bereits klar waren, unter anderem Solarenergie und Elektroautos konsequent zu fördern. «Heute mischt das Land in diesen Bereichen ganz vorne mit oder ist sogar führend.» Das Vorgehen dabei müsse sicher anders sein, aber das Beispiel zeige, dass mit zielgerichteter und langfristig ausgerichteter Politik in dem Bereich viel erreicht werden kann.

Martina Gradmann
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