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Wetzikon
13.06.2025

«Familie, Musik und jede Menge Holz»

Liebt seine Familie, sein Tonstudio und das Holzhandwerk:  Raphael Bertschinger.
Liebt seine Familie, sein Tonstudio und das Holzhandwerk: Raphael Bertschinger. Bild: z. V. g.
Raphael Bertschinger liebt seine Familie, sein Tonstudio und das Holzhandwerk. Die Wetziker Post traf ihn zum Gespräch.

Lieber Raphael, wo bist du aufgewachsen und was hast du in deiner Kindheit und Jugend erlebt?

Ich wurde 1980 in Wetzikon geboren und bin im wunderschönen Tann-Rüti aufgewachsen. Bereits fünf Jahre davor hatten meine Eltern die Bertschinger Innenausbau AG  gegründet. Ich habe einen älteren und einen jüngeren Bruder, mit denen ich viel Zeit im Betrieb verbrachte und dort viele schöne Momente erlebte. Für uns Jungs waren die ganzen verschiedenen Werkzeuge und Maschinen unglaublich interessant. Diese familiäre Atmosphäre im elterlichen Betrieb prägt uns bis heute. Fast unvorstellbar, dass uns einige Mitarbeiter bereits seit der Anfangszeit begleiten.

Meine Schulzeit verbrachte ich in Dürnten. Schon im frühen Alter entdeckte ich dank der vielfältigen Schallplattensammlung meiner Eltern meine Liebe zur Musik. Von Grössen wie Johnny Cash und Dire Straits bis hin zu Soul-Klassikern war alles vertreten. Bis heute ist die Musik ein grosses Hobby und ein wichtiger Teil meines Lebens. Ich habe ein eigenes kleines Tonstudio,  wo ich Musik produziere und meiner Kreativität keine Grenzen gesetzt 
sind. Beim Produzieren kann ich abschalten und es ist für mich ein wichtiger Ausgleich, bei dem ich mit langjährigen Freunden Zeit verbringen kann. Ich produziere mit viel Leidenschaft soulige Hip-Hop-Beats, besuche Konzerte und bin stets interessiert an neuen musikalischen Impulsen.

«Mit meinen Brüdern den Betrieb zu gestalten, macht mich stolz und finde ich richtig geil!»
Raphael Bertschinger

Was für eine Ausbildung hast du absolviert?

Ich begann eine Berufslehre als Schreiner. Diese Ausbildung ermöglichte mir fundiertes Wissen über die Verarbeitungsarten, Rohstoffe und ich lernte das Handwerk, das mich schon von klein auf begleitete, richtig kennen.

Nach der Ausbildung bekam ich die Möglichkeit, in Berlin in einem Industriedesign-Büro eine Stelle anzutreten. Dort begann ich, mein erlerntes Handwerk mit Grafikdesign zu kombinieren. Diese beiden Welten zu vereinen, war herausfordernd, aber hochinteressant. Nach meiner Rückkehr in die Schweiz absolvierte ich eine zweite Berufslehre als Grafiker in einer Werbeagentur in Zürich, wo ich zu jener Zeit auch wohnhaft war. Dort lernte ich unglaublich viel. Schon bald konnte ich grössere Projekte im Alleingang realisieren und man schenkte mir viel Vertrauen. Für die Stadtzürcher war ich immer der Büezer aus dem Zürcher Oberland. Im Herzen blieb ich immer auch Handwerker, denn mit ihnen verstehe ich mich gut.

Ich schaue gerne auf diese Zeit zurück und  sie ermöglichte auch einen gewissen Abstand zum elterlichen Betrieb – wenn man im familieneigenen Unternehmen gross wird, wird man oft als «Sohn des Chefs» wahrgenommen. Die Zeit ausserhalb war für meine persönliche Entwicklung wichtig und ich konnte beweisen, dass ich auch in anderen Betrieben meine Leistung erbringen kann. Mein Werdegang prägte unsere heutige strategische Ausrichtung als Gesamtanbieter für komplexe Holzbauten und Innenarchitektur. 

Wie kam es dazu, dass du den Weg zurück ins Zürcher Oberland gefunden hast?

Nach einem Gespräch am Familientisch wurde die Zukunft des Betriebs besprochen. Wie es der Zufall will, war mein jüngerer Bruder ebenfalls motiviert, sich dieser Herausforderung gemeinsam mit mir zu stellen. Aus diesem Grund zog ich zusammen mit meiner Frau Rebekka zurück ins Zürcher Oberland, genauer gesagt nach Wetzikon. Dort sind wir mit zwei Jungs im Guldisloo-Quartier zuhause. Diesen Entscheid bereuen wir nicht, denn wir fühlen uns im Zürcher Oberland sehr heimisch und wohl. Mein älterer Bruder führte zu diesem Zeitpunkt in der Innerschweiz eine eigene Werbeagentur und war eine grosse Unterstützung. Heute bringt  er eine fundierte Aussensicht in den Betrieb. Mit meinen Brüdern den Betrieb zu gestalten, macht mich stolz und finde ich richtig geil!

«Im Herzen blieb ich immer auch Handwerker, denn mit ihnen verstehe ich mich gut.»
Raphael Bertschinger

Viele KMU-Betriebe tun sich schwer bei der Nachfolgeregelung. Wie war das bei euch?

Mein Vater Urs hatte uns schnell die operative Führung  überlassen. Er fand im Klang-Maschinen Museum in Dürnten seine Erfüllung. Er war eine faszinierende Persönlichkeit und ein Macher. Er hatte Visionen und setzte diese um. Wenn er Räume betrat, sah er bereits das Endergebnis. Sein Schaffen, sein Ehrgeiz, sein Optimismus und sein Mut gepaart mit seinem Perfektionismus waren wichtige Erfolgsfaktoren im Betrieb und auch für das KMM Kulturzentrum. Er faszinierte uns bis an sein Lebensende immer wieder aufs Neue und bleibt unser grosses Vorbild. Dank seinen Werten bestehen wir als Firma bereits seit fünfzig Jahren. Darauf sind wir stolz und das wird dieses Jahr auch gebührend gefeiert. 

Was wünschst du dir für Wetzikon?

Ich bin gerne in Wetzikon. Was fehlt, ist eine Begegnungszone. Das wünsche ich mir –  einen Ort, der Begegnung ermöglicht,  Gross und Klein zusammenbringt. Wetzikon hat so viele tolle Menschen, leider sieht man diese zu wenig. 

Andreas Wolfensberger
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