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Grüningen
25.11.2022

Ist Vereinsarbeit unpopulär geworden?

Die Frauen vom "Zwergeschloss" Grüningen. Hinten v.l.: Doris Pfeiffer Kaufmann, Nicole Hunziker, Eliette Throo. Vorne v.l.: Barbara Welter, Diana Jacober, Julia Zryd. Bild: mg
Das Thema ist nicht neu. Immer häufiger haben Vereine Mühe, Mitwirkende für eine ehren­amtliche Tätigkeit zu finden. Auch in Grüningen mit seinem aktiven Vereinsleben wird es schwieriger, Vorstände und Prä­sidien zu besetzen.

«Wir zwingen Doris jetzt zum Weitermachen», schmunzelt Eliette Throo, Vorstandsmitglied vom Verein Zwergeschloss Grüningen. Doch eigentlich ist ihr nicht zum Lachen.

Doris Pfeiffer Kaufmann ist schon länger Präsidentin des Vereins, möchte diese Aufgabe aber weitergeben. «Meine Kinder sind schon grösser und mich beschäftigen andere Themen, für die ich mir Zeit nehmen möchte», sagt Doris. Doch niemand möchte sich für dieses Amt zur Verfügung stellen.

Auch im Vorstand haben vier von sechs Mitgliedern schon grössere Kinder und nutzen die Angebote des eigenen Vereins nicht mehr. «Wir suchen junge Mamis und Papis, die sich im Vorstand engagieren möchten», sagt Eliette. Sie weiss aber auch, dass Eltern während der Kleinkindphase sehr beschäftigt sind, viele Mütter arbeiten und keine Zeit für Vereinsarbeit einsetzen können. Es sei manchmal sogar ein Vorteil, dass ihre Kinder schon grösser seien, sagt Doris.

Nur wenige wollen sich verpflichten

Ein Vereinspräsidium zu besetzen, ist nicht einfach. Heute fehle oft die Verbindlichkeit, wissen Eliette und Doris. «Man möchte die Angebote der Vereine in Anspruch nehmen, aber sich lieber nicht fix engagieren.»

Auch Tina Hunger, Präsidentin des Gewerbevereins, möchte ihr Amt abgeben. Bis jetzt habe aber niemand an der Aufgabe Interesse gezeigt. «Ich habe gesagt, dass ich es nur noch bis zur Generalversammlung im kommenden Jahr mache. Dann muss jemand anderes übernehmen», so Hunger. Dreizehn Jahre sei sie jetzt schon Präsidentin, sei an unzähligen kantonalen Sitzungen gewesen. Jetzt sei es an der Zeit, dass jemand anderes übernehme. «Niemand hat Zeit und Lust, und freiwillig meldet sich sowieso niemand. Doch laut Kantonalverband braucht es ein Präsidium.»

Ähnliche Probleme hat man beim Frauenverein Grüningen. Das Amt der Präsidentin wird momentan als Co-Präsidium geführt, weil sich niemand für die Aufgabe zur Verfügung stellen wollte. «Das Mitmachen in einem Verein hat an Attraktivität verloren, weil man heute unzählige Angebote in Anspruch nehmen kann, ohne sich verpflichten zu müssen», sagt Annemarie Huber vom Frauenverein. Auch die IG Stedtli konnte die abgehenden Vorstandsmitglieder nicht ersetzen.

Verdienst ist kein Anreiz

An der Kommunikationsarbeit vom Zwergeschloss kann es wohl nicht liegen. Das Logo und die Website wurden neu gestaltet und auch Flyer-Aktionen habe man gemacht. Und doch bekomme man immer wieder zu hören, dass man noch nie vom Angebot gehört habe. «Wir betreiben viel Aufwand für unsere Angebote», sagt Eliette.

«Die positiven Rückmeldungen, z. B. nach dem beliebten Samichlaus-Anlass, oder die Freude der Kinder nach einem Bastelanlass motivieren uns immer wieder, weiterzumachen.» Für zusätzliche Angebote, die das Zwergeschloss noch bekannter machen könnten, würden zurzeit die personellen Ressourcen fehlen, bedauert Doris.

Momentan werden beim Zwergeschloss auch Mitarbeitende für die Reinigung und die Chinderhüeti gesucht, was bezahlte Stellen seien. Doch auch hier sei es nicht einfach, jemanden zu finden.

Mehr Unterstützung gewünscht

Über 40 Vereine zählt die kleine Gemeinde Grüningen. Alle sind sie auf Helferinnen und Helfer und ehrenamtliches Engagement angewiesen. Viele sind der Meinung, dass es mehr Unterstützung von der Gemeinde brauche. Es fehle beispielsweise ein Vereinskonzept, wie das in anderen Gemeinden vorhanden sei.

Martina Gradmann