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Grüningen
25.11.2022

«Grüningen ist schön, doch eigentlich möchte ich nach Hause»

Claudia Bernhard (Mitte) kümmert sich um Oksana und Olena aus der Ukraine. Bild: mg
Für die kommenden Winter­monate könnten sich wieder mehr Menschen aus der Ukraine auf die Flucht begeben. Auch in Grüningen bereitet man sich auf neue Flüchtende vor.

In der Ukraine herrscht noch immer Krieg, Häuser und Wohnungen sind zerstört und die russische Armee beschiesst auch gezielt Energie-Infrastrukturen. Was das für die Menschen in den kommenden Wintermonaten bedeutet, lässt sich nur erahnen.

Ende Oktober bereits sagte Jörg Kündig, Präsident des Verbands der Zürcher Gemeindepräsidenten, gegenüber den Medien, dass er bis Ende Jahr mit 2500 weiteren Flüchtlingen im Kanton Zürich rechne. Die meisten Gemeinden hätten ihre Kontingente allerdings bereits erfüllt und könnten keine zusätzlichen Personen aufnehmen. Jetzt seien die Gemeinden gefordert, Kollektivunterkünfte herzurichten.

Druck auf Gemeinde steigt

«Wir wissen nicht, was kommt, aber wir spüren, dass der Druck steigt», sagt Sonja Joss, Verantwortliche für die Unterbringung von Flüchtlingen bei der Gemeinde Grüningen. Seit dem Ausbruch des Krieges in der Ukraine sei das Flüchtlingskontingent in den Gemeinden erhöht worden und könnte jetzt nochmals erhöht werden. Waren es bis jetzt 0,9 Prozent oder 34 Personen, für welche Grüningen eine Unterkunft stellen musste, könnten es in den kommenden Monaten mehr werden.

Winterkleider und ein Damenfahrrad

«Die Gemeinde unterstützt die Flüchtenden gemeinsam mit der Kirche», sagt Sonja Joss. Wichtig seien jetzt vor allem warme Kleider für die Flüchtlinge, die bereits hier seien, und auch für solche, die noch kommen könnten. Auch wird ein Damenfahrrad benötigt. «Das soll für den Weg in den Deutschkurs gebraucht werden», erklärt Sonja Joss.

Erste Flüchtende mussten wieder abreisen

«Leider hat die Gemeinde limitierte Unterbringungsmöglichkeiten», bedauert Joss. Man sei deshalb dankbar für Unterstützung aus der Bevölkerung.

Eine, die ein solches Angebot zur Verfügung stellt, ist die Familie Bernhard aus Grüningen. Schon im Frühsommer konnten erste Flüchtlinge in einer freien Wohnung der Bernhards einquartiert werden. Wie sich herausstellte, waren diese Usbeken, die zwar lange in der Ukraine gelebt hatten, aber keinen Anspruch auf den Schutzstatus S geltend machen konnten. Sie mussten wieder ausziehen.

Seit September wohnen jetzt die Ukrainerinnen Oksana mit ihrer Tochter sowie Olena in der Wohnung, welche die Bernhards der Gemeinde zur Verfügung stellen.

«Das ist unser Beitrag an die momentane Situation.»
Claudia Bernhard

Zeitintensive Betreuung

Als Vermieterin habe sie die Usbeken mit Arztbesuchen, Behördengängen und Einkäufen unterstützen müssen, was sehr zeitintensiv gewesen sei, sagt Claudia Bernhard. Oksana und Olena seien dagegen viel selbständiger und gut vernetzt. Schwierig sei nach wie vor die Verständigung, die meist über Google Translate geschehe und immer wieder zu Missverständnissen führe.

Unterstützung für die Bewältigung des Alltags für geflüchtete Menschen bietet eigentlich die Organisation ors Schweiz, eine international anerkannte Diensteisterin für die professionelle Betreuung geflüchteter Menschen, die von den Gemeinden beauftragt wird. Momentan seien diese aber komplett überlastet und hätten auch unter viel Personalwechsel zu leiden, weiss Sonja Joss.

Jeder, der Flüchtende als Gastfamilie im eigenen Haushalt aufnehmen wolle, müsse sich der oft grossen kulturellen Unterschiede bewusst sein und sich klar werden, dass sich das Zusammenleben teils herausfordernd gestalte. Dass sie ihre Schützlinge unterstütze, sei für sie aber selbstverständlich, sagt Bernhard. «Jemand muss es machen. Das ist unser Beitrag an die momentane Situation.»

Hilfsgüter

Momentan werden Winter­kleider, Schuhe und auch ein Damenvelo gesucht. Weitere Informationen findest du auf der Website der ref. Kirche: www.kirchegrueningen.ch

Kontakt bei Fragen:
Sonja Joss (Di–Fr)
Tel. 043 833 70 63
sonja.joss@grueningen.ch

Martina Gradmann