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Grüningen
11.09.2022
11.09.2022 18:03 Uhr

«Bäume sind wie Kinder für mich»

Waldbesitzer Thefi Müller erklärt, wieso man lose Äste liegen lässt. Bild: Martina Gradmann
Der Wald ist wichtig für uns alle. Er ist einerseits Lebensraum für Pflanzen und Tiere, Erholungsraum für Menschen und leistet einen grossen Beitrag für unser Klima. Wie man als Eigentümer Wald bewirtschaftet, zeigte Anfang September 2022 der ehemalige Landwirt und Gemeinderat Thefi Müller Interessierten aus Grüningen. Organisiert hatte den Anlass die FDP Grüningen.

In der Schweiz besteht 32 Prozent der Fläche aus Wald, was 1,32 Millionen Hektaren sind und ein Drittel der Gesamtfläche bedeutet. Im Kanton Zürich sind es 30 Prozent und in Grüningen nur gerade 20 Prozent. «Wir haben hier also eine unterdurchschnittlich tiefe Waldfläche», begann Thefi Müller seine Ausführungen. Von einer Gesamtfläche von 878 Hektaren seien in Grüningen gerade mal 174 Hektaren mit Wald bepflanzt.

Müller ist einer der 250'000 Waldeigentümer in der Schweiz, Wald besitzen aber auch Gemeinden, der Kanton und der Bund. Die Schweizer Waldfläche vergrössert sich seit 150 Jahren kontinuierlich, vor allem im Gebirge. Weil grosse Alpgebiete der Natur überlassen wurden, wuchs der Wald in den letzten Jahren um fast 4000 Hektaren pro Jahr, was ungefähr der Fläche des Bieler- oder Zugersees entspricht.

Freuden und Sorgen eines Waldbesitzers

Dass der Wald durch seine Funktion, CO2 zu speichern, wichtig für das Klima ist, war allen klar. Müller betonte aber noch andere Funktionen: «Der Wald bietet Schutz vor Naturgefahren wie Steinschlag, Lawinen oder Überschwemmungen. Dort wo grossflächig abgeholzt wird, können Erosionen passieren und ganze Hänge ins Rutschen kommen.»

Man brauche den Wald für die Holzproduktion und als Erholungsraum. Wald begünstige aber auch die biologische Vielfalt, weil dort kein Dünger eingesetzt werde, was wiederum gut für Mikroorganismen und Pilze sei. «Der Wald macht Freude, bereitet aber auch Sorgen», sagte Müller und zeigte auf dem weiteren Weg durch den Wald, wie beispielsweise Schneedruck kleinen Bäumen zusetzen könne. Bäume können auch von Pilzen und Parasiten befallen werden, was vor allem bei den Eschen zu einem grossflächigen Eschensterben geführt habe.

«Wenn Bäume durch Sturmschäden plötzlich der Sonne ausgesetzt sind, bekommen sie Stress und werden ein gefundenes Fressen für Käfer.»
Thefi Müller, Waldbesitzer in Grüningen

Trockenheit führt zu Veränderungen im Wald

Sorgen bereite auch das Wild, das regelmässig die Herzknospen der Weisstannen fresse und grosse Schäden verursache. Den interessierten Waldbesuchern zeigte er, wie er die Bäume schützt und dass man heute lose Äste liegen lasse und den Boden möglichst grün lasse. «Die Trockenheit beschäftigt uns sehr, weil viele Bäume schlecht damit umgehen können.»

Einer dieser Bäume ist die Fichte, die als "Brotbaum" der Forstwirtschaft gilt und begehrtes Bauholz liefert. Die Fichte mutiert jetzt aber zum Sorgenkind, weil sie in tieferen Lagen unter dem Klimawandel leidet. «Wir reagieren mit einer Durchmischung der Bäume, doch bis das so weit ist, dauert es Generationen.» Statt Flachwurzler wie Rottannen, würden heute vermehrt Tiefwurzler wie Nussbäume oder Douglasien angepflanzt. Diese gelten als sogenannte "Zukunftsbäume", weil sie besser für die Trockenheit gerüstet sind.

Als schliesslich mitten im Wald ein Regenschauer einsetzte, freute sich der Waldbesitzer: «Bäume sind wie Kinder für mich und wenn es regnet, lacht der Wald.»

  • Viele Grüninger Interessierte wollten sich über den Wald und dessen Bewirtschaftung informieren. Bild: Martina Gradmann
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  • Junge Bäume müssen geschützt werden. Bild: Martina Gradmann
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  • Der Waldboden bietet Mikroorganismen und Pilzen den Nährboden. Bild: Martina Gradmann
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  • Herzknospen sind ein gefundenes Fressen für Rehe und Hirsche. Bild: Martina Gradmann
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  • Zum Abschluss lud die FDP Grüningen zum Bräteln über dem offenen Feuer. Bild: Martina Gradmann
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Zahlen und Fakten zum Wald

In der Schweiz gibt 250'000 Waldeigentümer, die dafür sorgen, dass wir uns alle sicher im Wald aufhalten können. Über 500 Millionen Baumen stehen im Schweizer Wald, nicht gezählt die Milliarden Jungbäume. Gemessen am Holzvorrat sind 2/3 der Schweizer Baumbestände Nadelwälder, 1/3 sind vorwiegend Laubwälder. Die Fichte ist mit Abstand die häufigste Baumart in den Schweizer Wäldern, gefolgt von Buche und Weisstanne. Der jährliche Holzbedarf der Schweiz liegt bei rund 11 Millionen Kubikmeter. Von Jahr zu Jahr werden nur 4 bis 5 Millionen Kubikmeter Holz aus dem Schweizer Wald genutzt, obwohl gut und gerne 7 bis 8 Millionen Kubikmeter geerntet werden könnten, ohne den Wald zu übernutzen. Heizen mit Holz ist C02 neutral, denn die Verbrennung von Holz setzt nur so viel CO2 frei, wie die Bäume im Verlauf ihres Wachstums der Atmosphäre entzogen haben. Die gleiche Menge CO2 gelangt in die Umwelt, wenn das Holz ungenutzt im Wald verrottet. Jeder Liter Heizöl, den wir durch Holz ersetzen, entlastet unsere Atmosphäre um mehr als 3 Kilogramm CO2. 

Quelle: Waldschweiz.ch/Waldpass

Martina Gradmann