Home Region Sport Magazin In-/Ausland Agenda
Kultur
21.11.2021

Ab wann benutzte man Adventskalender?

Oft öffnen die Kinder jeden Tag ein Türchen oder bekommen ein kleines Geschenk. Bild: Pixabay
Der Adventskalender war ursprünglich Zählhilfe und Zeitmesser vom 1. Dezember bis 24. Dezember. Es verkürzt vor allem für die Kinder die Zeit bis Weihnachten.

Die eigentlichen Ursprünge kann man bis ins 19. Jahrhundert zurückverfolgen. Der erste selbstgebastelte Adventskalender stammt vermutlich aus dem Jahr 1851.

Anfänglich hängten die Familien aus den protestantischen Kreisen nach und nach 24 Bilder an die Wand. Einfacher war eine Variante mit 24 an die Wand oder Tür gemalten Kreidestrichen, bei der die Kinder täglich einen Strich wegwischen durften. In katholischen Familien durften die Kinder jeden Tag einen Strohhalm bis zum Heiligen Abend in die Krippe legen.

Weitere Formen des Adventskalenders waren die Weihnachtsuhr oder eine Adventskerze, die jeden Tag bis zur nächsten Markierung abgebrannt wurde.

Auch schon Schokolade

  • 1902 brachte die Evangelische Buchhandlung in Hamburg den ersten gedruckten Kalender in Form eine Weihnachtsuhr heraus. Ab 1922 erschienen Weihnachts- oder Adventsuhren mit 24 Feldern.
  • In der 1920er Jahren hatten die gedruckten Adventskalender am meisten Bedeutung.
  • 1929 gab es zwei Abreissblöcke unter den Namen Knecht Ruprecht und Weihnachtsengel. Die Abreissbilder konnten die Kinder in ein Album kleben. 1930 erschien ein Abreissadventskalender.
  • Eine weitere Form waren Himmelsleitern, auf denen ein Engel täglich eine Stufe weiter gesetzt werden durften.
  • Nach 1920 verbreiteten sich Kalender, deren Fensterchen man öffnen konnte. Hinter jedem Fensterchen war auf einer zweiten, angeklebten Papier- oder Pappschicht ein Bild zu sehen.
  • In dieser Zeit kam auch schon eine Schokoladen-Adventskalender auf den Markt – «Christkindleinshaus zum Füllen mit Schokolade». Von da an kamen verschiedene Verzierungen auf, wie Katzensilber, Metallsand oder Glasglimmer.

Nach 1970 wurde der Glasglimmer durch ungefährliches Aluminium ersetzt.

Beleuchtete kleine Häuschen werden in die Adventsfenster gestellt – doch gibt es noch viele andere Ideen für private Adventsfenster. Bild: Pixabay

Adventskalender anders genutzt

Während des Nationalsozialismus wurde versucht, die christlichen Weihnachtsbräuche aus dem öffentlichen Leben zurückzudrängen. Schon 1933 war der Wechsel und der Einfluss der neuen Zeit zu spüren. So gab es als Sujet zum Beispiel einen salutierenden Soldaten.

Nach 1940 wurde das Papier in Deutschland kontingentiert. Weihnachtskalender durfen nur noch auf holzhaltigem Papier gedruckt werden. Auch Grösse und Gewicht wurde von der Reichsstelle für Papier- und Verpackungswesen vorgegeben. Danach wurden christliche Symbole durch nationalsozialistische Sinnbilder umgedeutet. 1942 bis 1944 kamen die harmlos erscheinenden Kalender in den Handel. Im Zuge des Krieges wurde der Adventskalender angepasst. So wurden die Backrezepte ab 1943 ohne Fett und Eier geschrieben. Der Kalender konnte über die Zentrale der Ortsgruppen der NSDAP zu einer Reichsmark bezogen werden.

Die kleinen Geschenke reichen von Radiergummi, Haarbänder, kleinen Tierchen bis über Schokolade. Den Ideen sind keine Grenzen gesetzt. Bild: Pixabay

Ab 1950 Massenartikel

Schon 1945 sehnten sich die Menschen nach einer heilen Welt, die auch die Weihnachtszeit einschloss. Somit wurden in allen Besatzungszonen wieder Adventskalender produziert. Zurückgegriffen wurde auf süssliche Motive aus der Zeit um 1930.

Kalender erklären sich aus den unterschiedlichen Traditionen der Länder, für die sie hergestellt werden. So wird bei Schweizer Kalendern auf Nikolause verzichtet, in den USA haben die Engel keine Flügel und im Vereinigten Königreich werden religiöse Motive bevorzugt.

Flächendeckend beliebt wurde der Adventskalender ab den 1950er Jahren, als er zum Massenartikel und dementsprechend preisgünstig angeboten wurde. Als Motive dienten hauptsächlich Szenen aus romantisch verschneiten Städtchen. Hinter dem Türchen des 24. Dezember verbirgt sich bis heute meist eine Krippenszene.

Andere Formen als Türchen

Heute stecken hinter den Türchen neben den Bildchen oftmals auch Schokoladenstücke in verschiedenen Formen oder auch Spielzeug. Der erste von diesen Kalender wurde 1958 in den Handel gebracht.

Daneben werden selbstgebastelte Kalender mit kleinen Geschenken hergestellt, die auf verschiedene Weisen verpackt sind. Die Jute-Säcken, die aus dem skandinavischen Raum stammen, auf einer Leine aufgehängt sind, erfreuen sich auch immer grosser Beliebtheit. Daneben gibt es viele ausgefallende andere Ideen, wie selbstgebastelte Adventskalender realisiert werden können.

Seit wenigen Jahren werden zunehmend neue Medien genutzt. Auch Online Adventskalender, die über das Internet erreichbar sind, werden immer mehr verwendet. Oft enthalten sie ein Gewinnspiel oder sie werden als Mail verschickt.

Kleine Geschenke in Jutesäckchen erfreuen sich grosser Beliebtheit. Bild: Pixabay

Umgekehrte Adventskalender

In mehreren Städten werden regelmässig die Fassaden in Adventskalender umfunktioniert. Auch private Haushalte gestalten nach einer Auslosung ihre Fenster weihnachtlich.

Seit Mitte der 2010er-Jahre propagieren karitative Einrichtungen und Kirchen einen Adventskalender, bei dem man nicht etwas erhält, sondern eine kleine Spende in Form von Verbrauchsgegenständen in eine Box legt.

Adventskalender zum Selbermachen, ein paar Ideen.

Goldküste24/Patricia Rutz