Home Region Sport Magazin In-/Ausland Agenda
Region
14.09.2021
15.09.2021 16:39 Uhr

Service- und Abstellanlagen der Zürcher S-Bahn - Standortsuche wird neu aufgegleist

Für Nicole Fritschi von der IG Pro Brach Fuchsbühl und Schauspieler und Regisseur Daniel Rohr ist der heutige Entscheid ein Meilenstein. Bild: Martina Gradmann
Am Dienstag informierten die Regierungsräte Carmen Walker Späh und Martin Neukom gemeinsam mit der SBB darüber, dass die bisherigen Standorte für die Service- und Abstellanlagen aus dem Richtplan herausgelöst und der Prozess der Standortsuche neu aufgegleist werde.

Der Kanton Zürich setzt auf den öffentlichen Verkehr, um seine Verkehrs- und Klimaziele zu erreichen. Nachdem die Nachfrage infolge der Corona-Pandemie zurückging, ist langfristig aufgrund des prognostizierten Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstums jedoch wieder mit steigenden Fahrgastzahlen zu rechnen. Der Bund finanziert im Rahmen des Ausbauschritts STEP 2035 mit über 5 Milliarden Franken zahlreiche grosse Infrastrukturprojekte in der Region Zürich wie «MehrSpur Zürich – Winterthur» oder die Erweiterung des Bahnhofs Zürich Stadelhofen. Dank der zusätzlichen Linien und Verbindungen lassen sich Engpässe beseitigen. Für den langfristigen Ausbau des Angebots der Zürcher S-Bahn werden im Kanton Zürich aber auch eine neue Service- und drei Abstellanlagen benötigt, schreibt die Baudirektion des Kantons Zürichs in einer Medienmitteilung.

Erweiterte Standortevaluation mit Einbezug der Regionen

Vorhaben mit gewichtigen Auswirkungen auf Raum und Umwelt sind in den kantonalen Richtplan aufzunehmen. Im Frühling wurden im Rahmen der öffentlichen Auflage der Richtplanteilrevision 2020 drei mögliche Standorte in den Gemeinden Bubikon, Hombrechtikon (Feldbach) und Eglisau vorgeschlagen. Für die drei Standorte hat die SBB umfangreiche Abklärungen getroffen. Dabei berücksichtigte sie Umweltaspekte, Auswirkungen auf Anrainer sowie die betriebliche Machbarkeit. Aufgrund der öffentlichen Diskussionen und Rückmeldungen zu den Gleisabstellanlagen möchten SBB, Volkswirtschaftsdirektion und Baudirektion den Variantenfächer für potenziell nutzbare Flächen noch einmal öffnen. Dabei sollen vor allem die Planungsregionen, die Gemeinden und weitere Interessengruppen in den Regionen stärker einbezogen werden. Gemeinsam sollen nebst den bisherigen Standorten mögliche Alternativen diskutiert, evaluiert und geprüft werden.

Umdenken dank einer Vielzahl von Einwendungen

Begrüsst wird dieser Entscheid insbesondere von der Fondation Franz Weber (FFW), der Standortgemeinden Bubikon, Eglisau und Hombrechtikon (Feldbach) sowie der IG Pro Brach Fuchsbühl Bubikon und das Forum Feldbach. Mit ihrer Festlegung einer erweiterten Standortevaluation werde es hoffentlich möglich, die 150'000 Quadratmeter Natur zu schützen und zu erhalten. Das Vorhaben der SBB, ihre Infrastrukturanlagen mit den geplanten Richtplaneinträgen auf die grüne Wiese zu setzen, stiess auf eine sehr grosse Zahl von Einwendungen. Die FFW, genauso wie die betroffenen Gemeinden und die Organisationen von Bürgerinnen und Bürgern forderten hier ein klares Umdenken und stiessen auf Gehör beim Kanton. «Dabei geht es nicht darum, welcher Naturstandort am wenigsten betroffen wäre und somit geopfert werden kann, sondern darum, dass gezielt Standorte auf versiegeltem Boden für zusätzliche Infrastrukturanlagen genutzt werden», sagt Nicole Fritschi von der IG Pro Brach Fuchsbühl. Dies vor allem auch deshalb, weil Abstell- und erst recht Serviceanlagen als rein industrielle Anlagen einzustufen und als solche nicht standortgebunden sind.

«Der heutige Entscheid des Kantons Zürich ist ein Meilenstein. Er steht für eine Zukunft in der es nicht um die Frage geht, ob der ÖV oder die Natur höher zu gewichten sind. Es geht vielmehr um alternative Standorte, die bereits eingezont, belastet oder sich im Besitz der SBB befinden. Denn diese suchte man vergeblich unter den insgesamt 10 «geprüften» Standorten in den Unterlagen der SBB», sagt Fritschi weiter. 

Voraussichtlich mehrjähriger Prozess

Der Austausch und die erweiterten Arbeiten werden in iterativen Schritten vollzogen. Diese zusätzlichen Abklärungen sind für den Kanton Zürich und die SBB sehr wichtig. Ziel sind breit abgestützte Bestvarianten für die Vorhaben, die dann in eine künftige Richtplanteilrevision einfliessen sollen. Auch bei einer Aufnahme in den kantonalen Richtplan müssen die Projekte noch den ordentlichen Bewilligungsprozess eines Bauprojekts mit allen Umweltabklärungen durchlaufen. In der langfristigen Planung entstehen dadurch aber kaum Verzögerungen. Der Zeithorizont für die Inbetriebnahme der Service- und der ersten Abstellanlage liegt erst anfangs des nächsten Jahrzehnts. 

«Jetzt kann ich endlich wieder ruhig schlafen», sagt Fritschi. Sie fühle sich von einer grossen Last befreit, doch man werde sich auch in Zukunft nicht zurücklehnen, sondern dranbleiben. 

«Ich freue mich sehr, dass der Regierungsrat auf die Argumentation der Einwendungen eingegangen ist und dass der Druck aus der Bevölkerung und von den Standortgemeinden genutzt hat. Auf Grund der Auseinandersetzung mit dem Thema bin ich sicher, dass Standorte gefunden werden können, deren Boden schon versiegelt ist und wo man nicht Kulturland vernichten muss. »
Daniel Rohr, Schauspieler und Regisseur, wohnhaft in Bubikon.
ZO24