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Gossau ZH
08.06.2021
09.06.2021 08:47 Uhr

Auf dem Gossauer Ametsberg sollen 42 Wohnungen entstehen

4 Häuser mit 42 Wohnungen geplant. Bild: Stücheli Architekten
Auf dem Ametsberg sollen auf Herbst 2023 42 Eigentumswohnungen verteilt auf vier Häuser entstehen. An einer Veranstaltung für die Anwohnenden informierten der Bauherr und die Projektplaner über das Bauvorhaben.

Dem Einladungsschreiben der Accum AG in die Gewerbehalle 1 im Migros-Gebäude sind geschätzte 40 Personen gefolgt. Die meisten von ihnen waren Anwohner*innen vom Ametsberg und von der Rebhaldenstrasse, die direkt oder indirekt tangiert sind.

Grosser Aufmarsch für ein grosses Projekt

Pünktlich um 18.30 Uhr begrüsste Martin Trepp, Präsident des Verwaltungsrates der Gossauer Accum AG, die Anwesenden. Neben ihm war der komplette Verwaltungsrat der Accum vor Ort, was erahnen lässt, wie wichtig ihnen das Gelingen des Bauvorhabens ist. Nebst der Accum waren Vertreter/innen von Stücheli Architekten aus Zürich vor Ort, welche den Studienauftrag für die Überbauung im Jahr 2020 gewonnen hatten, der Landschaftsarchitekt und der Baumanagement-Partner.

Die Gastgeber der Infoveranstaltung Bild: Barbara Tudor

4 Baukörper mit 42 Eigentumswohnungen

Beim Blick auf den Projektplan wird schnell klar: Hier entsteht Grosses. Grosses im Sinne von vier Baukörpern mit insgesamt 42 Wohnungen von 3,5 bis 5,5 Zimmern im Stockwerkeigentum. Ab ca. 750‘000 Franken bis über 1,2 Mio. Franken. Auf einer Gesamtfläche von 8‘000 m2. Mit vier Stockwerken von einer Gesamthöhe von 11,5 Metern. Mit insgesamt 96 Parkplätzen, verteilt auf eine grosse Tiefgarage und Besucher-Parkplätze.

Möglichst integriert in die Landschaft

Das Ziel von Stücheli Architekten war, topografisch sorgfältige platzierte Gebäude mit einem attraktiven Aussenraum zu kreieren, welche sich trotz ihrer Grösse gut in das jetzige Bild einfügen und nicht zu wuchtig wirken. Hierfür sollen heller Beton, kombiniert mit viel Glas und farblich dezent gehaltenen Eternitplatten zum Einsatz kommen, erklärte Christof Glaus, Partner von Stücheli Architekten.

  • Die vier Baukörper in ihrer geplanten Anordnung. Bild: Stücheli Architekten
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  • Die Baukörper sollen trotz ihrer Grösse leicht wirken und sich gut in die Umgebung einpassen. Bild: Stücheli Architekten
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Angrenzender Wald als wichtiger Bestandteil

Der angrenzende Privatwald sei ein wichtiger Bestandteil in der Planung gewesen, sagte der zuständige Landschaftsarchitekt Beat Nipkow aus Zürich, und stellte das Umgebungskonzept näher vor: Der Wald solle sichtbar bleiben und durch eine gezielte Begrünung zwischen und um die Häuser herum erweitert werden. Dabei setze man auf hohe Bäume und heimische Pflanzen. Man habe zu Gunsten der Umgebungsarbeiten gar mehr Grenzabstände geschaffen. Zwischen den Gebäuden sind Wege und auch ein grosser Spielplatz geplant. Den bisherigen Kehrplatz werde es auch in Zukunft geben. Die Tiefgarageneinfahrt wird über die Rebhaldenstrasse erfolgen, etwas versetzt zum alten Gemeindehaus bzw. zum alten Rebhalden-Kindergarten. Den Standort der Garagenein-/ausfahrt habe man intensiv mit der Gemeinde besprochen.

Baustellen-Belastungen so klein wie möglich halten

Wie Stefano Ghisleni, Inhaber der Gishleni Partner AG, erklärte, sei es ihnen ein Anliegen, die Belastungen für die Anwohner während der Bauphase so gering wie möglich zu halten. Bei einem Bauprojekt in dieser Grösse seien aber bei allen Bemühungen gewisse Belastungen nicht zu verhindern. Diese würden vor allem in den ersten vier Monaten am intensivsten sein, wenn der Aushub gemacht werde, danach aber abnehmen.

Gutes Einvernehmen wird angestrebt

Stefano Gishleni betont, dass ihnen ein gutes Einvernehmen mit den Nachbarn besonders am Herzen liege – und die Sicherheit. Gishleni schätzt, dass die Baustelle zu 80% von der Rebhaldenstrasse und zu 20% von der Ametsbergstrasse her angefahren werde. Die gesetzlichen Vorgaben wie beispielsweise die Arbeits- und Ruhezeiten und die gesetzlichen Grenzwerte für Lärmemissionen würden strikt eingehalten. Bei grösseren Anlieferungen würde zudem Sicherheitspersonal eingesetzt. Vor Baubeginn werde man eine Bestandsaufnahme an den Liegenschaften der direkten Nachbarn machen, die protokolliert werde. Beim Untergrund rechne man nicht mit Absenkungen. Aber durch den hohen Anteil an Nagelfluh sei mit gewissen Vibrationen zu rechnen, welche Risse an den benachbarten Gebäuden verursachen könnten. Durch die vorgängige Bestandsaufnahme könnten solche Schäden gut lokalisiert und versicherungstechnisch abgewickelt werden. Bevor der erste Bagger auffahre, sehe man noch einmal eine Information für die Anwohnenden vor.

«Ich habe ein Haus gekauft. Und 5 Jahre Baustelle dazu.»
Ein Anwohner

Angst vor Baustellenbelastung und Verkehr

Im Anschluss an die Präsentation standen die Anwesenden für Fragen zur Verfügung. Sorgen bereitet den Anwohner*innen vor allem die Belastungen durch die Bauarbeiten. Ein Bewohner sagte: «Wir müssen schon länger mit einer Baustelle auf dem Ametsberg leben. Jetzt kommen weitere zwei Jahre dazu.» Ein anderer formulierte es so: «Ich habe ein Haus gekauft. Und fünf Jahre Baustelle dazu.»

11 Meter hohe Mauer vor der Nase

Eine andere Anwohnerin äusserte ihre Bedenken bezüglich der Gebäudehöhe. Sie werde von ihrem Wohnzimmer aus künftig an eine meterhohe Wand schauen, vom Schattenwurf des Gebäudes mal ganz abgesehen. Beat Nipkow sagte dazu, dass man diesen Bereich – auch auf Wunsch der Gemeinde – ebenfalls gut begrünen werde.

Verkehrsberuhigende Massnahmen offen

Ein Anwohner erkundigte sich, ob verkehrsberuhigende Massnahmen geplant seien. Schon heute werde die Rebhaldenstrasse rege befahren. Bei über 80 zusätzlichen Tiefgaragenplätzen werde es täglich gegen 200 zusätzliche Fahrten geben, rechnete der Anwohner vor. Eine Zufahrtsbeschränkung nur für Anwohner könnte da helfen. Hier verwies Gishleni auf die Gemeinde, welche entsprechende Massnahmen ergreifen müsste. Das liege nicht in ihrem Zuständigkeitsbereich. Er riet den Anwohnern, sich mit diesem Anliegen direkt an die Gemeinde zu wenden. Auch kamen Fragen zur Hangsicherung auf, die heute nicht bestehe. Hierzu konnten die Vertreter keine Angaben machen, sie würden die Sache aber prüfen.

Wärme aus der Erde, Sonnenenergie vom Dach

Auf die Frage, wie es energie-technisch mit dem Bau aussehe, antwortete Stefan Wehner, Mitglied des Verwaltungsrats der Accum AG, dass eine Erdsondenheizung vorgesehen sei sowie Photovoltaik-Anlagen auf jedem Dach. Cishleni ergänzte, dass man auch bei den Baumaterialien auf eine nachhaltige Bauweise setze, u.a. mit rezyklierten Materialien.

Ausschreibung im Submissionsverfahren

Auf die Frage, ob bei dem Bau auch bewusst einheimisches Gewerbe engagiert werde, antwortete Martin Trepp, dass die Arbeiten über ein Submissionsverfahren ausgeschrieben würden, wo alle mitofferieren könnten. Natürlich wolle man wenn möglich lokale Anbieter berücksichtigen, aber der Preis müsse stimmen.

Zum weiteren Vorgehen erläuterte Christof Glaus, dass man die Baueingabe noch diese Woche machen wolle. Sofern es keine Einsprachen gebe, sollte die Baubewilligung Ende September vorliegen, sodass im Idealfall Ende April 2022 mit dem Aushub begonnen werden könnte. Gegen 19.45 Uhr endet die Veranstaltung.

Wenig Kritik, eher Sorgen

Gegenwehr oder sehr kritische Stimmen blieben zumindest an diesem Abend aus. Eine Dame bekundete gar Kaufinteresse und fragte, ob die Anwohner als Entschädigung für den Bauärger ein Vorkaufsrecht erhalten würden.

Nach der Veranstaltung wurden da und dort noch die Köpfe (Corona-konform) zusammengesteckt. Eine Frau meinte auf die Frage, was sie vom Projekt halte, dass sie sich dazu nicht äussern wolle. Damit habe sie schlechte Erfahrungen gemacht. Eine ältere Dame sagte, dass sie weniger Probleme mit dem Bau an sich habe – gebaut werde halt überall – und ihre Kinder seien ja schon längst ausgeflogen. Die Sorgen der Eltern mit Kleinkindern könne sie aber verstehen. Eine junge Mutter sieht es eher gelassen. Ihre Kinder hätten sich schon mit der heutigen Baustelle arrangiert und würden halt einfach erst nach 17 Uhr raus gehen zum Spielen. Sie hätte sich statt solcher Etagenwohnungen aber ein Projekt mit Häusern und Gartenanteilen gewünscht. Für Familien, wo die Kinder draussen rumtoben können. Mit diesem Projekt verknüpft die Mutter aber auch Hoffnungen: «Mit dem Wachstum der Gemeinde wird hoffentlich auch entsprechend in die Infrastruktur investiert.»

Ernst Schnurrenberger von der Accum ist überzeugt, mit dem Projekt einen Mehrwert für den Ametsberg zu schaffen. Selber als Kind auf dem Ametsberg gewohnt, könne er die Bedenken der Anwohner bezüglich der Bautätigkeit nachvollziehen. Doch überall, wo heute gewohnt werde, sei mal gebaut worden und habe es Lärm gegeben.

Barbara Tudor