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Rüti ZH
04.06.2021
04.06.2021 08:08 Uhr

Rüti ZH: Gemeindepräsident wendet sich mit offenem Brief an die Bevölkerung

Peter Luginbühl schreibt offen über seine Krebserkrankung. Bild: C. Abplanalp/Gemeinde Rüti ZH
Der Gemeindepräsident von Rüti ZH, Peter Luginbühl, informiert in einem offenen Brief an die Bevölkerung über seine Krebserkrankung und seinen aktuellen Gesundheitszustand.

Seit dem Jahreswechsel musste der Gemeindepräsident von Rüti ZH, Peter Luginbühl, eine krankheitsbedingte Pause einlegen. Nun hat er sich in einem offenen Brief an die Bevölkerung gewendet, der Ende Mai im «Rütner» erschienen und auch auf der Gemeinde-Website nachzulesen ist. Der Brief soll kein Schlussbericht seiner Krebs-Therapie oder ein verbindlicher Ausblick sein. Es sei ihm vielmehr ein tiefes Bedürfnis, Transparenz zu schaffen und seine Dankbarkeit für die vielen unterstützenden und aufmunternden Gesten auszudrücken.

Ein langer Weg, bewegende Momente, hoffnungsvolle Perspektiven

«Wenn man für eine Aufgabe, die man mit Leidenschaft, Freude und Begeisterung ausgeübt hat, plötzlich keine Energie mehr hat, ist das sehr schmerzhaft.» Mit diesem Satz beginnt der Brief an die Bevölkerung. Der Entscheid für seine politische Auszeit Ende Dezember 2020 sei dennoch richtig und logisch gewesen. Vertrauens- und hoffnungsvoll habe er sich für eine sehr anspruchsvolle Chemotherapie entschieden, um den Prostata-Tumor und die Metastasen auf seinen Knochen behandeln zu lassen.

«Ich musste feststellen, dass es kaum jemanden gibt, der oder die nicht ganz direkt oder im persönlichen Umfeld schon davon betroffen war oder gerade ist.»
Peter Luginbühl, Gemeindepräsident von Rüti ZH

Viele Betroffene, viele Fragen

In seinem Brief geht Peter Luginbühl offen mit den vielen Fragen um, mit denen sich Menschen mit einer Krebsdiagnose beschäftigen. «Soll man sich seiner Haare vorsorglich gleich selber entledigen? Wie wird das sein mit der Übelkeit?  Wie kommen meine Frau und meine Kinder mit dem Thema zurecht? Was bedeutet diese Krankheit für meinen Freundeskreis? Kann oder muss ich gewisse Aufgaben nun einfach loslassen? Werde ich noch Energie haben, um anspruchsvolle Aufgaben zu erledigen? War es der richtige Entscheid? War's das nun?»

Emotionales Tal der Tränen

Wie viele Krebspatientinnen und -patienten sei auch er ich immer wieder im emotionalen Tal der Tränen gelandet, vor allem am Anfang. Obsiegt habe aber bisher sein grosses Vertrauen in die Medizin und in die Expertinnen und Experten, die ihn persönlich begleitet haben oder es noch tun. Ebenso wichtig scheine ihm aber die eigene Einstellung zu sein. «Ich bin es gewohnt, Probleme zu lösen und ganz grundsätzlich mit dem halbvollen Glas unterwegs zu sein.»

«Die positive Energie, die durch die vielen Gedanken, Gebete, Gespräche, Wünsche, Lieder, Texte, usw. zu mir geströmt ist, hat einen wesentlichen Beitrag zu meinem bisher positiven Heilungsverlauf beigetragen.»
Peter Luginbühl

Zuspruch aus Familie und Bevölkerung

In seinem Brief geht Peter Luginbühl auch auf die Unterstützung aus dem persönlichen Umfeld und der Bevölkerung ein. Auch die berufliche Entlastung durch die verschiedenen Stellvertretungen hätten zusätzlich Energie freigesetzt, die er für den Heilungsprozess einsetzen konnte. Seinen Alltag seit einigen Wochen wieder schmerzfrei erleben zu können und die Chemotherapie ohne Nebenwirkungen überstanden zu haben, machen ihn hoffnungsvoll, dass er die Rückkehr in den normalen Alltag angehen kann.

Wie es mit «Camino» weiter geht

Peter Luginbühl nennt den Tumor in seinem Körper «Camino» (spanisch: Weg). In den nächsten Tagen werde die medizinische Lage neu beurteilt und entschieden, welche Therapieform für die Nachbehandlung eingeschlagen wird. Er könne zum heutigen Zeitpunkt kein Datum nennen und keine Prognose abgeben. «Ich würde mich aber freuen, wenn ich bald wieder mittun könnte, denn die Herausforderungen sind gross.». Neben dem Wunsch nach der Rückkehr bleibe natürlich auch die Aufgabe, was er durch diese Erkrankung lernen müsse für sein Leben. Auch dieser Prozess sei noch nicht abgeschlossen. Fünf Monate nach der Diagnose bleibe eine grosse Dankbarkeit und Demut für den bisher positiven Verlauf und die Unterstützung durch ganz viele wunderbare Menschen. Die Ziellinie sei noch nicht überschritten, aber das persönliche Umfeld und die Mitmenschen würden ihm ganz viel Mut für den Schlussspurt geben. «Dafür sage ich Ihnen von Herzen DANKE und freue mich auf die Begegnungen in den kommenden Wochen. Bleiben Sie gesund!»

Den Weg, den Peter Luginbühl gewählt hat, war sicherlich kein leichter. Es zeugt von Mut und Stärke, eine ganze Gemeinde auf diese Art am eigenen Gesundheitszustand teilhaben zu lassen. Zürioberland24 wünscht Peter Luginbühl weiterhin gute Genesung und viel Kraft, um «Camino» zu besiegen.

Hilfe für Krebserkrankte und Angehörige

www.lebenmitkrebs.ch

www.krebsliga.ch

Die Dargebotene Hand 143

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