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30.04.2021

Partnervermittlung im Jahr 2021 – ein Interview

Sandra Häberlin vertraut ihren Menschenkenntnissen, wenn sie Kundinnen und Kunden einen möglichen Partner vorschlägt. Bild: Johanna Mächler
Sandra Häberlin betreibt von Reichenburg aus die Partnervermittlung Harmony. Sie setzt auf alte Schule, indem sie ihre Kundinnen und Kunden zuerst kennenlernt und dann für sie eine passende Person findet. Dies könne drei Wochen oder aber Jahre dauern.

Dating-Plattformen boomen. Können Sie das erklären?

Menschen sind einsam, jetzt erst recht, sie haben Zeit oder suchen nach etwas, das sie nicht haben. Oft suchen sie ausserhalb sich selbst und hoffen, jemanden zu finden, der sie glücklich macht.

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Nun punkten Sie damit, dass Ihre Partnervermittlung Harmony seriös ist. Was heisst das ?

Wir sind persönlich und diskret unterwegs. Bei uns geht nichts über das Internet. Das Auswahlverfahren geht nicht über einen Computer-Algorithmus. Wir sind alte Schule. Wir haben eine Kundenkartei und treffen nach sorgfältigem Abwägen eine Auswahl und machen gegenseitige Vorschläge. Diese Briefe erreichen unsere Kunden auf dem Postweg.

Und das verkaufen Sie als Vorteil?

Ja, denn im Internet können Sie heute Abend zehn Dates vereinbaren, Sie können sich jeden Abend mit jemandem treffen – Sie haben aber keine Ahnung, wer hinter dem Profil steckt. Die meisten Leute, die solches hinter sich haben, sind ernüchtert und oft frustriert, weil ihre Erwartungen nicht erfüllt wurden. Auch deshalb, weil merkwürdige oder unwahre Angaben gemacht und so falsche Erwartungen geschürt wurden. Aber natürlich gibt es online auch schöne, positive Geschichten.

Und Sie können das verhindern?

Jedenfalls weitgehend ausschliessen. Denn zu uns kommen nur Personen, die wirklich eine seriöse, diskrete Beratung und Unterstützung wünschen. Bei uns gibt es keine Blind-Dates, sie  wissen immer, mit wem sie sich treffen.

Kennen Sie somit alle Ihre Kunden persönlich? 

Das ist so. Wir sind ja zu dritt tätig. Meine Mutter Therese Membrini hat die Partnervermittlung während über 30 Jahren geführt, heute betreut sie noch das Gebiet Graubünden. Zusammen mit meinem Mann Marc Häberlin sind wir in der Region Ostschweiz tätig. Mindestens jemand von uns kennt jeden Kunden persönlich, da wir zu Beginn einer Partnervermittlung viel Wert legen auf das Kennenlernen.

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«Eine richtige Freundschaft ist wichtiger als eine halbherzige Partnerschaft.»
Sandra Häberlin

Wie geht eine Vermittlung?

Wir treffen uns für ein Gespräch, ich erkläre den Ablauf. Dann entscheidet der Kunde, ob er mit dem Angebot einverstanden ist. Wer sich dafür entscheidet, erhält nach einem ausführlichen Gespräch eine Personenbeschreibung. Diese kommt bei der Suche zum Einsatz. Dazu gehört ein Portrait, Vorname, Geburtsdatum, wenig über das Äusserliche, etwas zu Interessen, Sport, Hobbies, wenig zum Charakter. Dieses unterzeichnete Profil stellen wir dann gleichzeitig zwei Personen per Post zu. 

Wenn die beiden «anbeissen» …

Wenn beide Ja sagen, werden die Adressen getauscht. Dabei haben wir eine Art Clubregel, dass der Herr die Dame kontaktiert. Wenn jemand absagt, teilen wir das der anderen Person mit. 

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Und wenn so ein Paar zum Schluss kommt, es passt nicht ...

... machen wir weitere Vorschläge, sobald wir das Foto mit den Personenangaben zurückhaben.

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Sind Männer einfacher zu vermitteln als Frauen?

Nein. Jeder Mensch ist ein Individuum, einzigartig. Die grösste Kunst ist es, dass jemand vom hier und jetzt neu starten kann. Wenn man sich sagen kann: «Ich schaue jetzt in die Zukunft, ich will neu starten», dann kommt das gut. Das ist unabhängig vom Geschlecht, das kommt auf den Charakter an.

Haben Sie in der Kartei auch einen Männerüberhang, wie das oft zu hören ist?

Nein, überhaupt nicht. Das verändert sich stets. Es ist etwas lustig, immer wieder festzustellen, das im Frühling eher Männer kommen, im Herbst eher die Frauen. Das hat vielleicht mit Ur-Genen zu tun. Frauen möchten vielleicht während der Weihnachtszeit nicht alleine sein, Männer haben Frühlingsgefühle. Aufs Jahr gesehen ist es aber ausgeglichen.

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Es gibt Menschen, die sich auf diesem Portalen besser präsentieren als sie sind. Was raten Sie?

Das ist eher ein Problem der Dating-Plattformen im Internet. Wir legen natürlich Wert auf ein schönes Bild, doch auch das beste Foto zeigt halt immer nur einen Teil einer Person. Bei uns ist es oft so, dass man die Leute etwas  pushen muss, dass sie wirklich ein gutes Bild bringen, vielleicht eines durch einen Fotografen gemacht. Aber ein Barbie-Puppen-Bild soll es auf keinen Fall sein. Die Authentizität – ich bin, wer ich bin – das ist natürlich sehr wichtig.

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Was erwarten Sie selber von einer guten Partnerschaft?

Mein Motto ist: «Gemeinsam, miteinander den eigenen Lebensweg gehen». Wir gehen in dieselbe Richtung, als Paar und Familie. Die grosse Kunst dabei ist, sich gegenseitig so wenig als möglich einzuschränken. Jeder soll frei sein, nebst den gemeinsamen auch die eigenen Interessen leben zu dürfen. 

Können Sie von der Partnervermittlung leben?

Nein, mein Mann und ich haben beide einen zweiten Job. Aber meine Mutter konnte davon leben. Als ich mich damit befasste, ihr Geschäft weiterzuführen, kam es meinem Mann und mir entgegen, dass wir schon immer mit Menschen zu tun hatten. Ich war lange als Dentalhygienikerin tätig, heute habe ich ein Geschäft für Energiemedizin und bewusstes Sein. Mein Mann arbeitet im Personalwesen.

Vollständiges Interview in den Printzeitungen «March-Anzeiger» und «Höfner Volksblatt» zu lesen.

Sandra Häberlin

Geburtsdatum: 20. 12. 1973

Wohnort: Reichenburg

Zivilstand: verheiratet, zwei Kinder

Worauf achten Sie beim Mann zuerst? Charme

Worauf achten Sie bei der Frau zuerst? Ausstrahlung

Johanna Mächler, Redaktion March24 und Höfe24