Home Region Sport Magazin In-/Ausland Agenda
Region
17.09.2022
18.09.2022 21:52 Uhr

KEZO-Neubau wird deutlich mehr Fernwärme bringen

Das Projektteam begutachtet den Standort für den Neubau. Bild: zVg KEZO
Der Zweckverband Kehrichtverwertung Zürcher Oberland (KEZO) informierte über den Stand in Sachen Neubau. Fragen hatten die Interessierten vor allem zur Fernwärme und Energieproduktion.

«Wir verbrauchen nicht, wir produzieren Energie», sagte Steffen Schrodt, Projektleiter für den KEZO-Neubau, anlässlich des Themenabends. Von der früheren, reinen Abfallverbrennung habe sich die KEZO zur ganzheitlichen Ressourcenwirtschaft gewandelt und produziert heute mit 190'000 Tonnen Kehricht pro Jahr 130'000 Megawattstunden Strom. Aus dem Abfall werden 4'500 Tonnen Metalle wie Aluminium, Kupfer, Zink, Silber und Gold zurückgewonnen, und bereits heute wird ein Fernwärmenetz betrieben.

Weniger Abfall und mehr Fernwärme

Doch das Ende der Lebensdauer der KEZO ist nach 50 Betriebsjahren erreicht, die Logistik ist aufwändig und die Energieverwertung entspricht nicht mehr dem Stand der Technik. Zudem sieht die Zürcher Kapazitätsplanung für die KEZO 2028 eine Reduktion von 190’000 Tonnen Abfall pro Jahr auf 120’000 Tonnen pro Jahr vor.

Der geplante Ersatzneubau soll jetzt unter laufendendem Betrieb erstellt und 2028 in Betrieb genommen werden (Zürioberland24 berichtete). «Unser Fokus liegt dabei auf der maximalen Entsorgungssicherheit für die Region, einer optimalen Energieverwertung, einer deutlichen Steigerung der Fernwärmeabgabe und bei einer innovativen Option zur Energiespeicherung», erklärte Schrodt.

Die neue Anlage biete eine optimale Auslegung zur Energieerzeugung und trage zur CO2-Verminderung bei. «Die neue Anlage wird ökologisch und ökonomisch dem modernsten Stand der verfügbaren Technik entsprechen.»

Kommen die Fernwärme-Leitungen zu spät?

Das grosse Potential der Fernwärme interessierte denn auch die meisten Anwesenden. Schon heute liefert die KEZO ca. 60 GWH Fern- und Abwärme pro Jahr mit dem Ziel, bis 2028 dem Zürcher Oberland jährlich 285 GWH zur Verfügung zu stellen. Dieses Fernwärmepotential in der Region entspreche einer Einsparung von mehr als 21 Millionen Litern Heizöl pro Jahr.

«Doch kommt der Verbund «Fernwärme im Zürcher Oberland» tatsächlich zustande?», wollte ein Zuschauer wissen. «Wir müssen wissen, ob wir auf die Fernwärme-Leitungen warten sollen. Denn wir sind jetzt angehalten, unsere Heizungen zu ersetzen.» Der Wille sei da, doch die Politik sei kompliziert, kommentierte Schrodt, er sei aber optimistisch.

Wasserstoff und Carbon Capture

Auch die Energieproduktion interessierte die Anwesenden wegen der aktuellen Lage auf dem Strommarkt. So wird beispielsweise die Möglichkeit, Wasserstoff zu produzieren in die Konzeptionierung der Anlage mit einfliessen. Auch das sogenannte «Carbon Capture» war Thema, wobei das abgeschiedene CO2 für kohlensäurehaltige Getränke, die Produktion von Recyclingbeton und synthetische Treibstoffe etc. genutzt wird.

Ob man sich nicht eher auf die Produktion von Pellets konzentrieren sollte, wollte ein anderer wissen. Noch sei diese Produktion zu teuer, winkte Daniel Böni, Geschäftsführer der KEZO ab, erst wolle man sich auf die Fernwärme konzentrieren. Diese sei allerdings leitungsgebunden und brauche eine gewisse Anzahl an Verbrauchern. «Wir hoffen jetzt, dass die Gemeinden mitziehen werden.»

Die Investitionskosten für das Projekt KEZO 2028 werden auf CHF 300 Mio. (+/- 20 %) geschätzt, inklusive CO2-Abscheidung und Teilrückbau der bestehenden Anlage. Nicht berücksichtigt ist die Teuerung.

Martina Gradmann