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Kanton
31.07.2022

Alte Bäume gefällt für neue Turnhalle

Sie sind nun Geschichte: die schönen Linden auf dem Pausenplatz der Schule Lavater, kurz vor der Fällung. Bild: Lisa Maire
Eine Baumfällaktion auf dem Engemer Schulareal Lavater schockiert im Quartier. Die Stadt Zürich habe im Vorfeld ungenügend über den Umfang der Fällungen informiert, lautet ein Vorwurf. Die Stadt wehrt sich vehement.

Lisa Maire

Dem Bau einer unterirdischen Doppelturnhalle unter dem Pausenhof der Schule Lavater mussten letzte Woche zwölf Bäume weichen. Darunter etliche über 70 Jahre alte Winterlinden. Sie sei «traurig, wütend und fassungslos», berichtet eine Anwohnerin der Redaktion.

Ihr und vermutlich vielen anderen im Quartier sei die Radikalität des Baumschlags bis vor kurzem nicht klar gewesen. Die Stadt habe das Thema wohl «möglichst unter dem Radar» halten wollen und die Anwohnerschaft erst im Juli detaillierter über die Fällungen informiert. So habe man nicht mal mehr Zeit gehabt, ein Baum-Abschiedsfest zu organisieren, bedauert die Anwohnerin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte.

Quartier schon im März informiert

Den Vorwurf der mangelhaften Information lässt die Stadt nicht auf sich sitzen. «Uns liegt viel daran, im Quartier frühzeitig und transparent über unsere Bauvorhaben zu informieren», betont Ursula Tschirren vom Amt für Hochbauten (AHB) auf Anfrage.

Im aktuellen Fall verweist sie besonders auf die Online-Quartierinfo im letzten März, auf die mit Einladungs­flyern an die betroffene Nachbarschaft und per Inserat in «Zürich 2» aufmerksam gemacht wurde und die auf der Website des AHB bis heute nachverfolgt werden kann.

An dieser Veranstaltung wurde deutlich kommuniziert, dass man sich von allen Bäumen im Bereich des unterirdischen Turnhallenneubaus werde trennen müssen. Die grosse Birke an der Richard-Wagner-Strasse bleibe hingegen erhalten. Im Mai und im Juli wurden gemäss Tschirren weitere Anwohnerschreiben zu Baustart, Bauablauf und Baumfällungen verschickt.

Widerspruch macht wütend

Die Bäume auf dem Schulhof seien ein Naturparadies gewesen, berichtet die Quartierbewohnerin weiter. Ein Zuhause für zahlreiche Vögel, zur Blütezeit umschwärmt von Hummeln und Bienen, dazu Kühle und Schatten spendend im Sommer. Mit einem Hinweis auf die laufende Ausstellung «Cool down Zurich – Wir kühlen die Stadt» in der Stadtgärtnerei fügt sie an: «Auch das macht die Anwohner wütend – einerseits sollen wegen des Klimawandels mehr Bäume gepflanzt werden, auf der anderen Seite fällt die Stadt alte Bäume, die anders als junge, neu gepflanzte Bäume wirklich Hitze reduzieren.»

  • … sind die Bäume bei der Schule Lavater gefällt. Bild: Lisa Maire
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  • Kaum haben die Bauarbeiten begonnen … Bild: Lisa Maire
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Tschirren vom AHB zeigt durchaus Verständnis für diese aufgebrachte Reaktion aus dem Quartier. Sie betont aber, dass im Rahmen des Bauvorhabens viel zur Hitzeminderung und auch zur Förderung der Artenvielfalt auf dem Schulareal getan werde.

Künftig mehr Bäume als vorher

So sollen künftig 17 Bäume und andere Vegetationselemente, gekieste und gepflasterte Flächen mit offenen Fugen für Schatten, Verdunstungskühle und wichtige Sickerflächen sorgen. Insgesamt erhalten rund 40 Prozent der Flächen auf dem Schulareal neue, sickerfähige Beläge.

Darüber hinaus ist auf dem Dach der alten Turnhalle ein naturnah gestalteter Lebensraum für Wildbienen und Insekten geplant. Im Vorfeld der Fällaktion waren übrigens auch die Vögel ein Thema. Bei einer Begehung mit einem ­Vogel- und Wildschutzexperten wurden sämtliche Bäume genau untersucht. «Vogelschutz ist uns wichtig», so Tschirren. Brutstätten habe man aber keine feststellen können.

Das Bauprojekt

Die über 120-jährige denkmalgeschützte Schulanlage Lavater soll umfassend instandgesetzt, energetisch optimiert und hindernisfrei gestaltet werden. Die historische Turnhalle wird dabei zum Verpflegungshaus im Tagesschulbetrieb der Schulen Lavater und Gabler umgebaut. Für den Schul- und Vereinssport ist eine neue unterirdische Doppelturnhalle geplant.

Die Stadtzürcher Stimmbevölkerung hat der Kreditvorlage für das Gesamtprojekt im Mai 2022 zugestimmt. Während der zweijährigen Bauzeit, die nun gestartet ist, bleiben die heute acht Sekundarschulklassen auf provisorischen Schulraum in Leimbach, Wiedikon und Wollishofen verteilt.  (mai.)

Lisa Maire