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10.05.2022

«Wir werden weiter planen»

Würde 7'000 Bäumen das Leben kosten: Deponie Tägernauer Holz. (Simulation) Bild: depo-nie.com/Züroberland24
Das dringliche Postulat «Kein Schnellschuss bei der Deponie Tägernauerholz» wurde am Montag im Kantonsrat überwiesen. Der Regierungsrat kann demnach den Gestaltungsplan vorerst nicht festsetzen. Was das für die ZAV Recycling AG bedeutet und was sie weiter plant, erklärt Verwaltungsratspräsident Horst Meier im Interview.

Zürioberland24: Laut Medienberichten plant der Kanton gemeinsam mit der ZAV Recycling AG, einen Gestaltungsplan für die Deponie Tägernauer Holz auszuarbeiten. Dabei soll man sich auf den Richtplaneintrag von 2009 für eine regionale Deponie mit 750'000 m3 Volumen stützen. Was genau ist im Tägernauer Holz jetzt geplant?

Horst Meier: Die Ausarbeitung des Gestaltungsplans erfolgt durch die ZAV Recycling AG. Der Kanton (ARE) hat die Verfahrensleitung. Es ist eine Deponie mit einem Volumen von 750'000 m3 geplant. Gemäss Dienstbarkeitsvertrag mit dem Kanton Zürich darf lediglich die durch die ZAV Recycling AG aufbereitete Restschlacke deponiert werden, welche aus den Kehrichtverwertungsanlagen des Kantons Zürich stammt.

Weshalb wird das Projekt vorangetrieben, wenn das Bundesgericht doch gerügt hat, das bis jetzt kein aktualisiertes Abfallkonzept vom Kanton vorliege?

Das Projekt basiert auf einem rechtskräftigen Richtplaneintrag aus dem Jahr 2009. Die Rüge des Bundesgerichtes hat sich auf die geplante Volumenerweiterung auf 1,5 Mio. m3 bezogen.

Am Montag hat im Kantonsrat eine deutliche Mehrheit aus SVP, SP und GLP das dringliche Postulat «Kein Schnellschuss im Tägernauerholz» überwiesen und den Regierungsrat beauftragt, den Gestaltungsplan für eine Deponie nicht festzusetzen, bis eine aktualisierte Abfallplanung der Baudirektion vorliege und der Kantonsrat über Lage und Grösse der Deponie entscheiden könne. Was bedeutet das für Sie?

Nichts. Wir haben auf politische Entscheidungen keinen Einfluss, werden aber weiter an einem Gestaltungsplan arbeiten mit dem Ziel, diesen bis Ende 2022 dem Kanton einreichen zu können. Wie es dann weiter geht, werden wir sehen.

Ursprünglich wurde gesagt, man könne nur eine Grossdeponie rentabel betreiben, plant jetzt aber wieder mit der kleineren Variante. Wird diese Deponie also nicht rentieren? 

Auch mit 750'000 m3 handelt es sich um eine grössere Deponie. Der Deponiebetrieb Tägernauerholz ist nicht gewinnorientiert und den schlackenliefernden KVA werden die Selbstkosten weiterverrechnet. Der auf Basis eines Deponievolumens von 750'000 m3 erarbeitete Businessplan zeigt, dass die Deponierungskosten gegenüber heute auch dank der geringeren Transportkosten (Nähe der Deponie zur ZAV Recycling) rund 50 % günstiger ausfallen werden.

 

«Wir haben auf politische Entscheidungen keinen Einfluss, werden aber weiter an einem Gestaltungsplan arbeiten.»
Horst Meier, Verwaltungsratspräsident ZAV Recycling AG

Woher stammen die zu deponierenden Schlacken, woher der Abfall?

Die ZAV Recycling AG verarbeitet, nebst der Schlacke der KEZO, der KVA Horgen und dem ERZ, auch Schlacke von ausserkantonalen KVA. Wie bereits erläutert, dürfen im Tägernauerholz aber nur die Schlackenanteile der Zürcher KVA deponiert werden. Die ausserkantonalen KVA nehmen ihre verarbeiteten Schlackenanteile zurück und deponieren diese in Eigenregie.

Mit wie viel Kubikmeter Schlacke pro Jahr rechnen Sie?

Auf Basis der aktuellen Abfallmengen rechnen wir mit 60’ bis 70'000 m3 pro Jahr, die im Tägernauerholz deponiert werden.

Sie reduzieren bereits jetzt Schlacke, indem sie daraus Metalle separieren. Wird es künftig noch weitere Methoden zur Verringerung der Schlacke geben?

Die Anlage der ZAV Recycling AG hat einen ausgesprochen hohen Wirkungsgrad, und die verarbeitete Schlacke hat nur noch einen sehr geringen Metallgehalt. Ob der mineralische Restschlackenanteil reduziert werden kann, hängt von den Möglichkeiten weiterer Aufbereitung und Verwendung ab. Entwicklungsarbeiten dazu erfolgen durch die Stiftung ZAR. Ob und wann eine Weiterverwendung der mineralischen Restschlacke möglich sein wird, ist heute noch nicht absehbar.

Schlacke entsteht und muss deponiert werden, das ist allen klar. Müssen dafür tatsächlich tausende von Bäumen abgeholzt und ein intaktes Wald- und Naherholungsgebiet zerstört werden? Gibt es keine Alternativen?

Neue Deponieanlagen lösen, wo auch immer, grosse Diskussionen und Widerstände aus, sei es in Landwirtschaftsland oder im Waldgebiet. Wichtigstes Kriterium für eine sichere Deponierung ist der geologische Untergrund. Zu beachten ist, und das wird gerne vergessen, dass nach Füllung der Deponie eine Renaturierung und Wiederaufforstung erfolgt.

In der geplanten Deponie soll die Schlacke nur zwischengelagert werden. Wann rechnen Sie mit Lösungen diese Schlacke endgültig zu entsorgen?

In der geplanten Deponie Tägernauerholz erfolgt keine Zwischenlagerung sondern eine endgültige Lagerung. Grundsätzliches Ziel bleibt es, dass aufbereitete Schlacke nicht mehr deponiert, sondern in den Kreislauf zurückgegeben werden kann (Zementindustrie, Tiefbau). Die gesetzlichen Vorgaben sind äusserst restriktiv. Trotzdem arbeitet die Stiftung ZAR an diesem Ziel, wobei sich noch keine Lösungen abzeichnen.

Wir es in Zukunft einmal möglich sein, den ganzen von uns produzierten Abfall in den Recyclingzyklus zurückzuführen?

Damit beim Recycling die Wertstoffe keine Qualitätseinbusse erfahren, gilt es, Schadstoffe aus den Kreisläufen auszuschleusen. Solche Stoffe werden auch in Zukunft deponiert werden müssen.

Zur Person

Horst Meier (FDP Hinwil) ist Mitglied Gemeinderats Hinwil (seit 1998) / 2. Vizepräsident und Ressortvorsteher Finanzen und Liegenschaften.

Gleichzeitig ist Horst Meier Verwaltungsratspräsident der ZAV Recycling AG, die 2013 gegründet wurde. In Zusammenarbeit mit Vertretern der Abfallwirtschaft, der Rohstoff- und der Recyclingindustrie und den kantonalen und nationalen Umweltbehörden wurde durch die Stiftung ZAR ein Verfahren zur Aufbereitung von Trockenschlacke entwickelt, das heute bei der KEZO betrieben wird. Der Vorteil einer gemeinsamen Aufbereitungsanlage für die Schlacken überzeugten die KVA, was zur Gründung der ZAV Recyling AG führte, welche die Anlage heute betreibt.

Aktionäre der ZAV Recyling AG sind der Zweckverband Kehrichtverwertung Zürcher Oberland (KEZO, Hinwil), Zweckverband Kehrichtverwertung im Bezirk Horgen, KEBAG AG, Zuchwil (SO), Interkommunale Anstalt Limeco, Dietikon, Stadt Zürich, vertreten durch ERZ Entsorung + Recyling Zürich, GEVAG, Trimmis (GR).

Martina Gradmann